Im brasilianischen Bundesstaat Paraíba ist ein 33-jähriger Mann festgenommen worden, gegen den wegen einer Reihe mutmaßlicher Tötungsdelikte ermittelt wird. Die Polizei brachte ihn in der Gemeinde Mulungu nach einer rund 48 Stunden dauernden Suche in Gewahrsam. Zunächst soll der Verdächtige für 16 Morde verantwortlich gemacht worden sein. In Verhören räumte er nach vorliegenden Berichten elf dieser Taten ein.
Der Mann wurde den Angaben zufolge am 13. September aufgegriffen. Bei seiner Festnahme soll er als Frau verkleidet gewesen sein und ein Kleinkind bei sich getragen haben. Die Polizei hatte demnach in einem Waldgebiet nach ihm gesucht. Eine auffällige Tätowierung soll dazu beigetragen haben, ihn trotz seiner Verkleidung zu identifizieren. An dem Einsatz war neben anderen Polizeikräften auch die Militärpolizei beteiligt.
Im Verlauf der Ermittlungen führte der Verdächtige die Behörden laut den Berichten zu mindestens einem möglichen Tatort. Dort sei tatsächlich ein Opfer gefunden worden. Die Ermittler prüfen weiterhin, welche der ihm zugerechneten Taten sich bestätigen lassen und in welchem Umfang seine Aussagen zutreffen.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgt die Angabe des Mannes, er sei insgesamt für etwa 80 Morde verantwortlich. Diese Zahl geht über die anfänglichen Vorwürfe deutlich hinaus und ist bislang nicht bestätigt. Die Behörden untersuchen daher, ob seine Darstellung durch weitere Beweise gestützt werden kann. Auch die genauen Umstände der einzelnen Tötungsdelikte sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Nach eigenen Angaben soll der Verdächtige bereits im Alter von 13 Jahren einen ersten Menschen getötet haben. Als Motiv habe er damals Rache für seinen Vater genannt. Zudem habe er behauptet, bei seinen Opfern habe es sich ausschließlich um Kriminelle gehandelt. Er stellt seine Taten demnach als eigenmächtiges Vorgehen gegen mutmaßliche Straftäter dar.
Die Polizei verfolgt jedoch eine andere Ermittlungsrichtung. Nach Medienberichten prüfen die Behörden, ob der Mann im Auftrag des Drogenkartells Comando Vermelho gehandelt haben könnte. Die Organisation gilt in Brasilien als gewaltbereit. Sie soll um die Vorherrschaft im Drogenhandel mit der Bande Nova Okaida in Konflikt stehen. In diesem Zusammenhang wurden den Angaben zufolge bereits zwei weitere Verdächtige festgenommen.
Der 33-Jährige weist eine Beteiligung an einem Kartell zurück. Er soll bestreiten, als Auftragsmörder tätig gewesen zu sein, und darauf bestehen, unabhängig gehandelt zu haben. Ob diese Darstellung oder die von der Polizei vermutete Verbindung zu einer kriminellen Organisation zutrifft, ist nach aktuellem Stand offen.
Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Überprüfung der Geständnisse, die Zuordnung möglicher Tatorte und die Klärung der Beziehungen zu den genannten Banden. Eine abschließende Bewertung der Zahl der Opfer und der Verantwortlichkeit des Festgenommenen steht noch aus. Bis dahin gelten die Vorwürfe gegen ihn als nicht abschließend bewiesen.