Was passiert ist
Lettlands Präsident Edgars Rinkēvičs hat vor erheblichen europäischen Defiziten bei der Vorbereitung auf Drohnen- und Luftkriegsführung gewarnt. Nach seiner Einschätzung hält Europa mit den technologischen Entwicklungen, die im Krieg in der Ukraine sichtbar werden, nicht Schritt.
Rinkēvičs äußerte sich in einem Interview in Washington, D.C. Er sagte, die Entwicklung der Drohnenkriegsführung in der Ukraine verlaufe mit sehr hoher Geschwindigkeit. Die derzeitigen europäischen Bemühungen zur Vorbereitung auf einen möglichen Luftkrieg könnten deshalb bereits bis zur Mitte des kommenden Jahres überholt sein.
Der lettische Präsident warnte außerdem, dass die meisten NATO-Staaten einen Angriff mit russischen Raketen nach seiner Einschätzung nicht abwehren könnten, sollte sich der Konflikt ausweiten. Seine Aussagen beziehen sich damit sowohl auf die technologische Entwicklung im Drohnenbereich als auch auf die Leistungsfähigkeit der europäischen Luftverteidigung.
Was wir wissen
Die Einschätzung stammt von Lettlands Präsident Edgars Rinkēvičs. Das Gespräch wurde in Washington, D.C., geführt. Inhaltlich ging es um die Sicherheitslage in Europa, die Luftverteidigung der NATO und die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine.
Nach den vorliegenden Informationen sieht Rinkēvičs insbesondere bei der Anpassung an die rasche Entwicklung der Drohnenkriegsführung ein Problem. Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung sei so hoch, dass aktuelle Vorbereitungen auf einen Luftkrieg möglicherweise schon im kommenden Jahr nicht mehr dem technischen Stand entsprechen könnten.
Zudem äußerte der lettische Präsident Zweifel daran, dass die meisten NATO-Mitgliedstaaten einen russischen Raketenangriff zurückweisen könnten. Diese Einschätzung stellte er für den Fall einer Ausweitung des Krieges in der Ukraine auf.
Die vorliegenden Angaben enthalten keine detaillierte Auflistung einzelner NATO-Staaten, keine technischen Angaben zu den genannten Abwehrsystemen und keine konkreten Zahlen zur Leistungsfähigkeit der europäischen Luftverteidigung. Ebenso wird nicht näher erläutert, auf welche Drohnentechnologien oder welche konkreten Entwicklungen in der Ukraine sich Rinkēvičs bezog.
Was noch unklar ist
Offen bleibt, welche Staaten nach Einschätzung des lettischen Präsidenten über ausreichende Fähigkeiten zur Abwehr von Raketen- und Drohnenangriffen verfügen. Nicht näher beschrieben wird außerdem, welche Maßnahmen die europäischen Länder derzeit ergreifen und an welchen konkreten technischen Kriterien sich eine mögliche Überalterung ihrer Vorbereitungen bis zur Mitte des kommenden Jahres festmachen lässt.
Unklar ist auch, ob Rinkēvičs mit seiner Einschätzung eine unmittelbar erwartete Ausweitung des Konflikts beschreibt oder lediglich auf ein mögliches Szenario hinweist. Angaben zu einem konkreten Angriff, zu einem Zeitplan oder zu bereits eingetretenen Veränderungen bei der europäischen Luftverteidigung liegen nicht vor.
Quelle
The Guardian World, Quellen-Handle: @guardian