In Österreich gibt es eine deutliche Differenz zwischen der Zahl der verteilten Grippeimpfdosen und den dokumentierten Impfungen. Nach einer Berechnung der Kleinen Zeitung wurden in den vergangenen drei Jahren rund 830.000 gegen Influenza ausgegebene Impfdosen nicht in den Impfpässen erfasst. Die Zahlen lassen damit offen, in welchem Umfang Impfungen tatsächlich durchgeführt, aber nicht eingetragen wurden.
Besonders sichtbar ist die Abweichung in der Saison 2024/25. In diesem Zeitraum standen etwa 1.222.300 verteilte Dosen knapp 938.000 eingetragenen Impfungen gegenüber. Damit liegt die Zahl der dokumentierten Impfungen deutlich unter jener der ausgegebenen beziehungsweise verteilten Impfdosen.
Das Gesundheitsministerium erklärt die Differenz unter anderem mit dem sogenannten Verwurf. Influenza-Impfstoffe werden demnach in Sechser-Ampullen geliefert. Werden nach dem Öffnen nicht alle Dosen verabreicht und wird die Kühlkette unterbrochen, muss der verbleibende Impfstoff entsorgt werden. Eine verteilte oder bereitgestellte Dosis führt in diesem Fall nicht zu einer Impfung und kann daher auch nicht als Impfeintrag aufscheinen.
Als weiteren Grund nennt das Ministerium fehlende technische Möglichkeiten. Einige Ärztinnen und Ärzte hatten demnach keinen Zugang zum System, in dem die Impfungen erfasst werden. Dadurch konnten verabreichte Impfungen nach den vorliegenden Angaben nicht in jedem Fall dokumentiert werden.
Die bestehenden Unterschiede zwischen Impfstoffverteilung und Eintragungen lassen sich somit nicht allein auf eine einzige Ursache zurückführen. Neben nicht verwendeten Dosen spielt auch die Erfassung in den Impfpässen eine Rolle. Die vorliegenden Zahlen geben daher vor allem Auskunft über eine Lücke in der Dokumentation; sie belegen nicht unmittelbar, wie viele der nicht eingetragenen Dosen tatsächlich verabreicht wurden.
Inzwischen gelten neue Vorgaben für die Dokumentation. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums besteht mittlerweile eine Eintragungspflicht. Diese ist mit der Honorierung verknüpft. Damit soll erreicht werden, dass durchgeführte Influenza-Impfungen künftig verlässlicher im vorgesehenen System erfasst werden.
Die Angaben wurden im Zusammenhang mit einer KURIER-Berichterstattung veröffentlicht. Grundlage für die ausgewiesene Berechnung der vergangenen drei Jahre ist nach den vorliegenden Informationen die Kleine Zeitung. Eine weitergehende Aufschlüsselung der Differenz nach verworfenen Impfstoffen, fehlenden Systemzugängen und tatsächlich nicht dokumentierten Impfungen liegt in den vorliegenden Daten nicht vor.