Die NATO warnt vor einer zunehmenden Zahl hybrider Angriffe gegen ihre Mitgliedstaaten. Nach Angaben eines ranghohen NATO-Beamten wurden im vergangenen Jahr mehr als 200 solcher Operationen erfasst. In dieser Zahl sind alltägliche Cyberattacken nicht enthalten. Allein gegen das NATO-Hauptquartier würden demnach monatlich Tausende Angriffe registriert.
Als Beispiel für die wachsende Risikobereitschaft verwies der Beamte auf den Fund von Sprengstoff an einer Drohne am Flughafen Leipzig/Halle. Der Sprengstoff sei nicht zur Explosion gebracht worden. Dennoch wertete der NATO-Vertreter den Vorfall als Hinweis auf eine direkte Beteiligung eines russischen Geheimdienstes.
Sowohl die NATO als auch die deutsche Bundesregierung stufen den Vorfall als hybriden Angriff ein. Die Einstufung erfolgte damit trotz der ausgebliebenen Explosion. Nach Einschätzung des NATO-Beamten nehmen bei solchen Operationen nicht nur die Zahl, sondern auch die Schwere und die Risikobereitschaft zu.
Der Begriff hybride Angriffe umfasst in diesem Zusammenhang unterschiedliche Formen von Aktivitäten, die sich gegen Bündnisstaaten oder deren Einrichtungen richten können. Die vorliegenden Angaben nennen dabei insbesondere Cyberattacken sowie den Einsatz von Drohnen. Eine genaue Aufschlüsselung der mehr als 200 erfassten Fälle liegt in den Informationen nicht vor.
Die NATO plant als Reaktion ein Netzwerk zum Schutz kritischer Energieinfrastruktur. Es soll den Austausch von Informationen zwischen den zuständigen Stellen und den Betreibern erleichtern. Zusätzlich sind gemeinsame Übungen vorgesehen, die sich mit der Abwehr von Drohnen und Cyberangriffen befassen.
Mit dem geplanten Netzwerk soll die Zusammenarbeit beim Schutz wichtiger Energieanlagen verbessert werden. Vorgesehen ist, Erfahrungen und Hinweise zwischen Betreibern und den beteiligten Sicherheitsstellen systematischer auszutauschen. Die gemeinsamen Übungen sollen nach den vorliegenden Angaben dazu beitragen, auf Bedrohungen aus dem digitalen Raum und auf Gefahren durch Drohnen vorbereitet zu sein.
Die NATO verbindet den Sprengstofffund am Flughafen Leipzig/Halle mit der Einschätzung, dass hybride Operationen gegen Bündnisstaaten an Intensität gewinnen. Der Fall wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil einer Entwicklung eingeordnet, bei der die Zahl und die Schwere der registrierten Aktivitäten zunehmen. Konkrete Angaben zu den weiteren erfassten Vorfällen oder zu möglichen Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Flughafenfall wurden nicht genannt.