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Österreich: Kassenpatienten warten bis zu 65 Tage auf Facharzttermine

Eine Auswertung von 1.601 standardisierten Terminanfragen zeigt lange Wartezeiten bei Kassenärzten in Österreich. Besonders betroffen sind die Innere Medizin, Psychiatrie und Neurologie.

Österreich: Kassenpatienten warten bis zu 65 Tage auf Facharzttermine
Foto: KURIER

Kassenpatientinnen und Kassenpatienten müssen in Österreich teils mehrere Wochen oder Monate auf einen Termin bei einem Facharzt warten. Das geht aus einer Auswertung von 1.601 verdeckt und nach einheitlichen Kriterien gestellten Terminanfragen hervor. Die längste mediane Wartezeit wurde für Termine in der Inneren Medizin festgestellt. Sie lag bei 65 Tagen.

Auch in anderen Fachrichtungen zeigen sich erhebliche Verzögerungen. Für psychiatrische Termine wurde eine mediane Wartezeit von 61 Tagen ermittelt, in der Neurologie waren es 50 Tage. Die Untersuchung bezog sich auf insgesamt 14 Fachrichtungen. Berücksichtigt wurden ausschließlich Routine- und Vorsorgetermine. Akutfälle waren nicht Teil der Auswertung.

Der Median bezeichnet dabei den mittleren Wert der erhobenen Wartezeiten: In der Hälfte der Fälle lag die Wartezeit darunter, in der anderen Hälfte darüber. Die Ergebnisse beschreiben somit nicht jeden einzelnen Termin, geben aber einen Überblick über die Situation bei den untersuchten Kassenordinationen.

Gegenüber dem Vorjahr verschärfte sich die Lage in acht der 14 untersuchten Fachrichtungen. Nach Angaben der Auswertung nimmt derzeit außerdem rund ein Drittel der Kassenordinationen keine neuen Patientinnen und Patienten auf. Für Menschen, die einen Termin benötigen, kann die Suche nach einer verfügbaren Ordination dadurch zusätzlich erschwert werden.

Die Wartezeiten unterscheiden sich auch regional. Im Burgenland lag der Median bei 53 Tagen, in Vorarlberg bei 46 Tagen. Für Wien wurde mit 22 Tagen der niedrigste der genannten regionalen Werte ausgewiesen. Die Angaben beziehen sich auf die im Rahmen der Untersuchung gestellten Terminanfragen und erlauben keinen Rückschluss auf jeden einzelnen Versorgungsfall.

Als einen möglichen Grund für die Entwicklung verweist die Studie auf das Verhältnis zwischen der Zahl der Kassenärzte und der Bevölkerung. Demnach ist die Zahl der Kassenärzte seit dem Jahr 2000 nahezu unverändert geblieben, während die Bevölkerung deutlich gewachsen ist. Die Auswertung stellt diesen Zusammenhang als einen Faktor für die langen Wartezeiten dar.

Besonders deutlich zeigt sich die Belastung in jenen Bereichen, in denen Patientinnen und Patienten im Median rund zwei Monate oder länger auf einen regulären Termin warten müssen. Das betrifft nach den erhobenen Daten vor allem die Innere Medizin und die Psychiatrie. Die Untersuchung macht zugleich deutlich, dass die Ergebnisse nicht auf akute medizinische Situationen übertragbar sind, da Notfälle und kurzfristig notwendige Behandlungen ausdrücklich nicht erfasst wurden.

Die Auswertung wurde im Auftrag beziehungsweise im Rahmen der Berichterstattung des KURIER veröffentlicht. Sie basiert auf standardisierten Anfragen an Kassenordinationen und vergleicht die festgestellten Wartezeiten mit den Ergebnissen des Vorjahres. Insgesamt zeichnen die Daten ein Bild angespannter Zugänge zur fachärztlichen Versorgung für Kassenpatientinnen und -patienten in Österreich.

Quelle: KURIER ↗