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Mikroplastik in allen untersuchten europäischen Ackerböden nachgewiesen

Eine EU-finanzierte Forschungsinitiative hat in 227 landwirtschaftlichen Feldern in elf europäischen Ländern Mikroplastik gefunden. Die Partikel könnten Schadstoffe, Pestizide und Bakterien durch den Boden transportieren.

Mikroplastik in allen untersuchten europäischen Ackerböden nachgewiesen
Foto: The Guardian World

Mikroplastik ist in Europas landwirtschaftlichen Böden offenbar weit verbreitet. Eine fünfjährige, von der Europäischen Union finanzierte Forschungsinitiative wies die Kunststoffpartikel in sämtlichen 227 untersuchten Feldern nach. Die Flächen liegen in insgesamt elf europäischen Ländern. Damit wurde Mikroplastik in jedem der im Rahmen des Projekts untersuchten landwirtschaftlichen Böden festgestellt.

Nach Angaben der beteiligten Forschenden könnten die Kunststoffpartikel eine bislang unterschätzte Rolle im Boden spielen. Sie beschrieben Mikroplastik als eine Art „trojanisches Pferd“, weil sich an den Kunststoffoberflächen weitere Stoffe und Organismen anlagern können. Dazu zählen demnach Schadstoffe, Pestizide und Bakterien. Die Partikel könnten diese Bestandteile durch den Boden transportieren und damit ihre Verteilung in der Umwelt beeinflussen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem möglichen Zusammenhängen mit Antibiotikaresistenzen. Den Angaben zufolge wurden auf den Oberflächen der Kunststoffpartikel sogenannte Hotspots festgestellt, an denen mehr Gene für Antibiotikaresistenzen nachgewiesen wurden. Die Untersuchung liefert damit Hinweise darauf, dass Mikroplastik im Boden nicht nur als Fremdstoff vorhanden sein könnte, sondern möglicherweise auch Bedingungen schafft, unter denen sich resistente Gene konzentrieren oder verbreiten können. Welche konkreten Folgen dies für Böden, Pflanzen, Tiere oder Menschen hat, geht aus den vorliegenden Informationen jedoch nicht hervor.

Das Forschungsprojekt hat bislang in 22 begutachteten wissenschaftlichen Studien Ergebnisse veröffentlicht. Die Zahl der Veröffentlichungen zeigt den Umfang der wissenschaftlichen Auswertung, erlaubt für sich genommen aber keine Aussage darüber, wie groß die gesundheitlichen oder ökologischen Risiken im Einzelnen sind. Fest steht nach den Angaben der Forschenden, dass Mikroplastik in allen untersuchten landwirtschaftlichen Feldern nachgewiesen wurde.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewerten die Entwicklung als potenzielle globale Bedrohung. Ihre Einschätzung begründen sie unter anderem mit der grundlegenden Bedeutung gesunder Böden für das Leben auf der Erde. Böden sind demnach ein zentraler Bestandteil natürlicher und landwirtschaftlicher Systeme. Die vorliegenden Ergebnisse lenken den Blick deshalb auf die mögliche Belastung von Ackerflächen durch Kunststoffpartikel und auf deren Rolle als Träger weiterer Stoffe.

Die Untersuchung bezieht sich auf 227 Felder in elf europäischen Ländern. Eine Aussage über sämtliche landwirtschaftlichen Böden Europas lässt sich daraus nicht unmittelbar ableiten. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass Mikroplastik in den untersuchten Regionen flächendeckend festgestellt wurde. Offen bleibt auf Grundlage der vorliegenden Informationen, welche Kunststoffmengen jeweils gefunden wurden, aus welchen Quellen die Partikel stammen und ob sich die Belastung zwischen den einzelnen Ländern oder Feldern unterscheidet.

Auch zu langfristigen Auswirkungen liegen in den verfügbaren Angaben keine näheren Ergebnisse vor. Die Forschenden weisen jedoch auf die mögliche Bedeutung der Kunststoffoberflächen für den Transport von Schadstoffen, Pestiziden und Bakterien sowie auf die festgestellten Gene für Antibiotikaresistenzen hin. Die veröffentlichten Studien sollen damit eine Grundlage für die weitere Untersuchung der Folgen von Mikroplastik in landwirtschaftlich genutzten Böden bilden.

Quelle: The Guardian World ↗