Israel prüft mögliche rechtliche Schritte gegen Beteiligte des Dokumentarfilms „NAZA“. Generalstabschef Ejal Zamir wies nach Angaben der israelischen Armee den Militärstaatsanwalt an, entsprechende Schritte zu untersuchen und voranzutreiben. Im Mittelpunkt stehen dabei nach Darstellung der Armee mehrere Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Film.
Untersucht werden sollen demnach unter anderem angeblich falsche Behauptungen über israelische Soldaten. Zudem geht es um mögliche Gefahren für die persönliche Sicherheit von Militärangehörigen sowie für die Sicherheit des Staates. Auch Fragen der Informationssicherheit und eine mögliche Weitergabe geheimer Materialien sollen geprüft werden. Aus den vorliegenden Angaben geht nicht hervor, ob bereits ein konkretes Verfahren eingeleitet wurde.
Der Dokumentarfilm „NAZA“ stammt von Rachel Szor und Yuval Abraham und wurde beim Filmfestival in Venedig ausgezeichnet. Er basiert auf anonymisierten Interviews mit 24 israelischen Militär- und Geheimdienstmitarbeitern. Inhaltlich befasst sich die Produktion unter anderem mit der Auswahl von Zielen im Gazastreifen und mit der Frage, ob zivile Opfer bei militärischen Angriffen einkalkuliert wurden.
Die israelische Armee weist die im Film dargestellten Vorwürfe zurück. Nach ihrer Darstellung werden Entscheidungen über Angriffe ausschließlich von Menschen getroffen. Damit widerspricht sie den Aussagen und Darstellungen, die in der Dokumentation thematisiert werden.
Zamir bezeichnete den Film als Verleumdung und als bewusste Verzerrung der Realität. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Dokumentation. Die angekündigte Prüfung möglicher rechtlicher Schritte steht damit im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung über die im Film erhobenen Vorwürfe und die Verwendung der darin verarbeiteten Aussagen und Informationen.
Der Fall verbindet damit einen rechtlichen und militärischen Streit mit einer Debatte über die Darstellung des Gaza-Kriegs. Im Zentrum stehen sowohl die Vorwürfe gegen israelische Soldaten und Institutionen als auch die Frage, ob durch den Film persönliche oder staatliche Sicherheitsinteressen berührt sein könnten. Eine abschließende Entscheidung über mögliche rechtliche Maßnahmen wurde bislang nicht genannt.