Die Beschaffung von Schutzmasken durch das Bundesgesundheitsministerium im Frühjahr 2020 wirft neue Fragen auf. Nach einer Recherche von tagesschau zeigen E-Mails, dass ein Beamter des Ministeriums im April 2020 von einem Marktpreis von 1,95 Euro pro Maske ausging. Wenige Tage zuvor hatte der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jedoch 100 Millionen Masken zu einem Stückpreis von 5,40 Euro bestellt.
Der dokumentierte Preisunterschied betrifft damit eine Beschaffung, die in die frühe Phase der Corona-Pandemie fällt. Aus den vorliegenden Informationen geht hervor, dass die E-Mails den Preis von 1,95 Euro als Marktpreis einordneten. Zugleich lag der Preis der wenige Tage zuvor veranlassten Bestellung mit 5,40 Euro je Maske deutlich höher.
Die Recherche stellt damit die zeitliche Abfolge und die damalige Beschaffungspraxis des Ministeriums in den Mittelpunkt. Entscheidend ist dabei der Abstand zwischen der Bestellung und der später dokumentierten Einschätzung zum Marktpreis. Nach Angaben der Recherche werfen die E-Mails deshalb neue Fragen dazu auf, wie Preise bei der Beschaffung ermittelt und welche Informationen dabei berücksichtigt wurden.
Bestellt wurden den Angaben zufolge insgesamt 100 Millionen Masken. Bei einem Stückpreis von 5,40 Euro ergibt sich für diese Bestellung ein Gesamtvolumen von 540 Millionen Euro. Der in den E-Mails genannte Marktpreis von 1,95 Euro würde bei gleicher Stückzahl einem Betrag von 195 Millionen Euro entsprechen. Die beiden genannten Preise liegen somit um 3,45 Euro pro Maske auseinander.
Die vorliegenden Informationen enthalten keine Angaben dazu, aus welchem konkreten Zusammenhang die E-Mail mit dem Marktpreis stammt. Ebenso wird nicht näher erläutert, unter welchen Bedingungen die Bestellung aufgegeben wurde oder welche weiteren Faktoren bei der Preisbildung eine Rolle spielten. Fest steht nach der Recherche jedoch, dass die Bestellung über 100 Millionen Masken wenige Tage vor der E-Mail mit dem genannten Marktpreis erfolgte.
Der Vorgang gehört zu den umstrittenen Beschaffungsvorgängen aus dem Jahr 2020. Die neuen Dokumente lenken den Blick erneut auf die Entscheidungen des Bundesgesundheitsministeriums und des damaligen Ministers Jens Spahn. Im Zentrum steht die Frage, wie der deutlich höhere Bestellpreis im Verhältnis zur später festgehaltenen Marktpreiseinschätzung zu bewerten ist.
Die Recherche wurde von tagesschau veröffentlicht. Weitere Einzelheiten zu den Umständen der Bestellung und zu den internen Entscheidungsabläufen sind in den vorliegenden Informationen nicht enthalten.