← Alle Nachrichten

Österreich verzeichnet laut Schnellauswertung extremsten Hitzesommer der Messgeschichte

Zwei außergewöhnliche Hitzewellen haben Österreich in diesem Sommer einen Rekordwert von rund 50.000 Arealgradtagen beschert. Ein Klimaforscher führt die Intensität maßgeblich auf den menschengemachten Klimawandel zurück.

Österreich verzeichnet laut Schnellauswertung extremsten Hitzesommer der Messgeschichte
Foto: KURIER

Österreich hat laut einer Schnellauswertung den extremsten Hitzesommer seit Beginn der Messungen erlebt. Ausschlaggebend waren zwei außergewöhnlich starke Hitzewellen, die sich im Sommer zu einer bislang nicht erreichten Gesamtbelastung summierten. Nach Angaben des Klimaforschers Gottfried Kirchengast von der Universität Graz war insbesondere die zweite Hitzewelle die stärkste, die jemals in Österreich registriert wurde.

Diese zweite Phase dauerte vom 25. Juli bis zum 17. August. Für diesen Zeitraum wurden rund 26.400 Arealgradtage, kurz AGT, berechnet. Der Wert soll nicht nur die jeweils gemessene Temperatur abbilden, sondern zugleich berücksichtigen, wie lange eine Hitzewelle anhält und wie groß das betroffene Gebiet ist. Dadurch lässt sich die Gesamtintensität eines solchen Ereignisses besser erfassen als durch einzelne Temperaturrekorde.

Bereits zuvor hatte Österreich eine erste Hitzewelle erlebt. Sie erstreckte sich vom 17. Juni bis zum 2. Juli. Zusammen mit der zweiten Hitzewelle summierten sich die Werte bis zum Wetterwechsel im September auf etwa 50.000 AGT. Damit lag die Belastung deutlich über den Vergleichswerten früherer extremer Sommer.

Der Hitzesommer 2003 erreichte den vorliegenden Angaben zufolge knapp 25.000 Arealgradtage. Für das Jahr 2015 wurden rund 40.000 AGT verzeichnet. Der nun ermittelte Wert liegt somit etwa doppelt so hoch wie jener des Sommers 2003 und übertrifft auch den bisherigen Vergleichswert von 2015 deutlich.

Kirchengast zufolge wären derartige Extreme ohne den menschengemachten Klimawandel nicht möglich gewesen. Bei Hitzewellen, die mehr als 15.000 AGT erreichen, entfielen demnach rund 80 Prozent ihrer Stärke auf anthropogene Emissionen. Die Aussage ordnet die außergewöhnliche Intensität des Sommers dem Einfluss der vom Menschen verursachten Erderwärmung zu.

Die Angaben beruhen auf einer Schnellauswertung. Eine abschließende Bewertung der Folgen liegt daher noch nicht vor. Insbesondere die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Auswirkungen des Hitzesommers werden weiterhin untersucht. Wie stark einzelne Bereiche betroffen waren, lässt sich auf Grundlage der vorliegenden Informationen noch nicht abschließend beurteilen.

Die Auswertung macht zugleich deutlich, dass die Bewertung extremer Hitze nicht allein von der höchsten gemessenen Temperatur abhängt. Entscheidend sind auch die Dauer der Belastung und die räumliche Ausdehnung. Der AGT-Wert fasst diese Faktoren zusammen und ermöglicht dadurch einen Vergleich zwischen verschiedenen Hitzewellen und Sommern.

Mit rund 50.000 Arealgradtagen erreichte Österreich in diesem Sommer nach der vorliegenden Einschätzung einen neuen Höchstwert. Die beiden Hitzewellen prägten damit die nationale Klimabilanz, während die genaue Ermittlung der gesundheitlichen und ökonomischen Konsequenzen noch aussteht.

Quelle: KURIER ↗