Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich bleibt 2026 auf hohem Niveau. In den ersten neun Monaten meldeten 5.139 Unternehmen Insolvenz an. Das waren 0,4 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nach Einschätzung des Gläubigerschutzverbandes KSV1870 könnte sich der Anstieg im Gesamtjahr fortsetzen.
Besonders auffällig ist die Zahl der Verfahren, die mangels ausreichender Vermögenswerte nicht eröffnet wurden. Insgesamt betraf dies 2.204 Fälle oder 43 Prozent der Insolvenzen. Bei diesen Unternehmen reichte das vorhandene Vermögen nicht aus, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Nach den vorliegenden Angaben fehlten dafür jeweils weniger als 4.000 Euro.
Die Entwicklung verlief im dritten Quartal unterschiedlich. Die Zahl der eröffneten Insolvenzverfahren ging um 7,2 Prozent zurück. Gleichzeitig nahm die Zahl der abgewiesenen Verfahren um 12,6 Prozent zu. Der KSV1870 warnt in diesem Zusammenhang vor wachsenden Verlusten für Gläubiger. Werden Verfahren mangels ausreichender Mittel abgewiesen, stehen den betroffenen Gläubigern nach den vorliegenden Angaben häufig nur begrenzte Möglichkeiten zur Durchsetzung ihrer Forderungen zur Verfügung.
Von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind mehrere Branchen besonders betroffen. Dazu zählen der Handel, die Bauwirtschaft sowie Gastronomie und Beherbergung. Konkrete Zahlen zu den einzelnen Branchen wurden in den vorliegenden Informationen nicht genannt. Fest steht jedoch, dass sich die Insolvenzen über verschiedene Wirtschaftsbereiche verteilen und nicht auf einen einzelnen Sektor beschränkt sind.
Die vorläufigen Passiva der in den ersten neun Monaten betroffenen Unternehmen belaufen sich auf rund sechs Milliarden Euro. Als Passiva werden dabei die Verbindlichkeiten der insolventen Unternehmen erfasst. Von den Verfahren sind außerdem rund 15.700 Beschäftigte und etwa 36.300 Gläubiger betroffen. Die Angaben sind vorläufig und beziehen sich auf den genannten Zeitraum.
Für das Gesamtjahr rechnet der KSV1870 mit rund 6.800 Firmenpleiten in Österreich. Damit würde erneut ein historisch hoher Stand erreicht. Die Prognose liegt über der Zahl der bereits registrierten Insolvenzen in den ersten neun Monaten, da für die verbleibenden Monate weitere Verfahren erwartet werden.
Die Entwicklung zeigt zugleich, dass die Gesamtzahl der Insolvenzen allein die wirtschaftlichen Folgen nur teilweise abbildet. Neben der Zahl der betroffenen Unternehmen ist entscheidend, ob ein Verfahren eröffnet werden kann und welche Vermögenswerte zur Verfügung stehen. Der hohe Anteil abgewiesener Verfahren weist nach Angaben des KSV1870 auf eine angespannte Lage bei zahlreichen Unternehmen hin und erhöht das Risiko von Forderungsausfällen bei Gläubigern.
Der Gläubigerschutzverband will die Entwicklung der Firmenpleiten im weiteren Jahresverlauf beobachten. Eine abschließende Bilanz für 2026 liegt noch nicht vor. Die bisherige Entwicklung und die Prognose von rund 6.800 Insolvenzen deuten jedoch darauf hin, dass die Belastung für Unternehmen, Beschäftigte und Gläubiger in Österreich weiterhin hoch bleibt.