Eine erste wissenschaftliche Studie führt die verheerenden Überschwemmungen im August in der Grenzregion zwischen Nepal und Tibet wahrscheinlich auch auf die Klimakrise zurück. Nach den vorliegenden Erkenntnissen könnten ungewöhnlich warme Bedingungen dazu beigetragen haben, einen Gletscher zu destabilisieren. Dessen Zusammenbruch löste eine Lawine aus Schnee und Eis sowie anschließend schwere Sturzfluten in den flussabwärts gelegenen Tälern aus.
Bei dem Ereignis kamen mehr als 1.300 Menschen ums Leben. Die Fluten trafen Gemeinden im weiteren Verlauf des Flusses offenbar ohne Vorwarnung. Angaben zum genauen Ort des Gletscherkollapses liegen nicht vor. Fest steht nach der Studie jedoch, dass der betroffene Gletscher eine Fläche von rund 200.000 Quadratmetern hatte.
Beim Kollaps wurden den Angaben zufolge etwa 110 Millionen Kubikmeter Schnee und Eis ins Tal gerissen. Die gewaltigen Massen bewegten sich als Lawine bergab und lösten Sturzfluten aus. Diese breiteten sich flussabwärts aus und erreichten dort gelegene Gemeinden, bevor die Bevölkerung ausreichend gewarnt werden konnte.
Die Untersuchung stellt einen wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen den ungewöhnlich warmen Bedingungen und der Destabilisierung des Gletschers her. Damit wird die Erderwärmung als möglicher begünstigender Faktor für die Katastrophe genannt. Die Studie beschreibt den Klimawandel nach den vorliegenden Informationen jedoch nicht als alleinige Ursache des Ereignisses.
Die Überschwemmungen ereigneten sich im August in der Region an der Grenze zwischen Nepal und Tibet sowie in den nachgelagerten Tälern. Die hohe Zahl der Todesopfer verdeutlicht die Wucht der Sturzfluten und die besondere Gefährdung von Siedlungen, die unterhalb von Gletschern und in Flusstälern liegen. Eine frühzeitige Warnung war in diesem Fall nach den vorliegenden Angaben nicht möglich oder erreichte die betroffenen Gemeinden nicht rechtzeitig.
Die Veröffentlichung ist als erste wissenschaftliche Einordnung der Katastrophe zu verstehen. Sie liefert Hinweise darauf, dass wärmere Bedingungen die Stabilität von Gletschern beeinflussen können und dadurch das Risiko schwerer Folgeereignisse steigt. Weitere Einzelheiten zur genauen Beschaffenheit des Gletschers, zum Ablauf des Zusammenbruchs und zu den örtlichen Warnsystemen sind in den vorliegenden Informationen nicht enthalten.
Die Studie verbindet damit ein konkretes Naturereignis mit den Auswirkungen der Erderwärmung. Für die betroffenen Gemeinden bleibt vor allem die Zahl der Opfer entscheidend: Mehr als 1.300 Menschen verloren durch die ausgelösten Sturzfluten ihr Leben. Die Ereignisse zeigen zugleich, wie schnell ein Gletscherkollaps flussabwärts zu einer Katastrophe führen kann, wenn Siedlungen ohne Vorwarnung getroffen werden.