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Türkei lässt 106 LGBTQ-Protestierende in Istanbul frei

Nach einer Kundgebung gegen Razzien bei LGBTQ-Aktivisten sind in Istanbul alle 106 festgenommenen Protestteilnehmer wieder frei. Unter ihnen waren auch ein ARD-Journalist und ein Reporter der Zeitung BirGün.

Türkei lässt 106 LGBTQ-Protestierende in Istanbul frei
Foto: KURIER

Nach einer Demonstration gegen Razzien bei LGBTQ-Aktivisten sind in Istanbul alle 106 festgenommenen Protestteilnehmer wieder freigelassen worden. Das bestätigte der Anwaltsverband CHD. Unter den Festgenommenen befanden sich nach den vorliegenden Angaben auch ein Journalist der ARD und ein Reporter der türkischen Zeitung BirGün. Beide hatten über die Proteste berichtet.

Die Kundgebung fand vor dem Istanbuler Justizpalast statt. Menschenrechtsaktivisten, Gewerkschaften und Oppositionsgruppen wollten dort gegen die Razzien in Lokalen und Wohnungen von LGBTQ-Aktivisten protestieren. Die Versammlung wurde jedoch von der Polizei aufgelöst. Im Anschluss wurden die Teilnehmer festgenommen.

Die Razzien hatten am Sonntag in Istanbul, Ankara und Izmir stattgefunden. Nach Angaben der türkischen Regierung wurden in diesem Zusammenhang Verfahren gegen 162 Verdächtige, neun Organisationen und 13 Unternehmen eingeleitet. Den Betroffenen werfen die Behörden die Verbreitung „obszöner Inhalte“ sowie Beihilfe zur Prostitution vor.

Die LGBTQ-Organisation Kaos GL berichtete, Gerichte hätten für 81 der am Sonntag festgenommenen Personen Untersuchungshaft angeordnet. Damit betrifft die Zahl der bislang angeordneten Untersuchungshaft nach diesen Angaben nicht die Protestierenden der Kundgebung vor dem Justizpalast, sondern Menschen, die im Zuge der Razzien am Sonntag festgenommen worden waren.

Darüber hinaus wurden am Mittwoch in Istanbul 33 Menschen einem Richter vorgeführt. Nach Angaben von Kaos GL wurden 20 von ihnen inhaftiert. Die übrigen 13 kamen demnach unter Auflagen frei. Aus den vorliegenden Informationen geht nicht hervor, ob diese Verfahren unmittelbar mit den 106 Teilnehmern der späteren Kundgebung zusammenhängen.

Die Freilassung der 106 Protestierenden wurde vom CHD bestätigt. Angaben zu weiteren möglichen Ermittlungen gegen die freigelassenen Teilnehmer liegen in den vorliegenden Informationen nicht vor. Fest steht, dass die Demonstration die Maßnahmen gegen LGBTQ-Aktivisten zum Gegenstand hatte und dass unter den Festgenommenen auch Vertreter der Berichterstattung waren.

Die Ereignisse markieren eine Zuspitzung rund um das Vorgehen der türkischen Behörden gegen LGBTQ-Aktivisten und deren Unterstützer. Während die Regierung die eingeleiteten Verfahren mit Vorwürfen der Verbreitung „obszöner Inhalte“ und der Beihilfe zur Prostitution begründet, richtete sich der Protest nach Angaben der Organisatoren und beteiligten Gruppen gegen die Razzien in mehreren türkischen Städten. Die vollständige Freilassung der 106 in Istanbul festgenommenen Protestteilnehmer wurde anschließend durch den Anwaltsverband bestätigt.

Quelle: KURIER ↗