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Österreich erwartet mehr Privatinsolvenzen – Firmenpleiten weitgehend stabil

Der KSV1870 rechnet in Österreich heuer mit rund 6.800 Unternehmensinsolvenzen. Deutlich stärker dürften die Privatinsolvenzen steigen: Für das Gesamtjahr werden etwa 9.300 Verfahren erwartet.

Österreich erwartet mehr Privatinsolvenzen – Firmenpleiten weitgehend stabil
Foto: KURIER

In Österreich dürften die Unternehmensinsolvenzen heuer weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres bleiben. Der Gläubigerschutzverband KSV1870 erwartet für die ersten drei Quartale rund 5.140 Firmenpleiten. Das wären 0,4 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Für das gesamte Jahr prognostiziert der Verband etwa 6.800 Unternehmensinsolvenzen.

Damit meldeten im Durchschnitt täglich rund 19 Betriebe Insolvenz an. Besonders betroffen sind nach den vorliegenden Angaben der Handel, das Baugewerbe, die Gastronomie sowie die Beherbergungsbranche. Diese Bereiche zählen damit zu den Wirtschaftszweigen, in denen sich die angespannte Entwicklung bei den Unternehmensinsolvenzen besonders deutlich zeigt.

Die finanziellen Auswirkungen sind erheblich. Bis zum 9. September summierten sich die vorläufigen Passiva der betroffenen Unternehmen auf rund sechs Milliarden Euro. Von den Verfahren waren außerdem etwa 15.700 Beschäftigte und 36.300 Gläubiger betroffen. Die Angaben zu den Passiva beziehen sich auf die bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden vorläufigen Verbindlichkeiten.

In 43 Prozent der Fälle wurden die Insolvenzverfahren mangels ausreichenden Kapitals nicht eröffnet. Damit kam es bei einem beträchtlichen Anteil der Fälle bereits an dieser Stelle zu keiner Verfahrenseröffnung. Weitere Angaben zum Ausgang der einzelnen Verfahren oder zur Entwicklung in den jeweiligen Branchen liegen in den vorliegenden Informationen nicht vor.

Deutlich dynamischer als bei den Unternehmen ist die Entwicklung bei den Privatinsolvenzen. Für die ersten drei Quartale erwartet der KSV1870 rund 7.390 eröffnete Verfahren. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg von 10,7 Prozent. Bis zum Jahresende rechnet der Verband mit insgesamt etwa 9.300 Privatinsolvenzen.

Als einen Grund für den erwarteten Anstieg nennt der KSV1870 das Auslaufen der dreijährigen Entschuldungsmöglichkeit Mitte Juli. Welche Bedeutung dieser Faktor im Einzelnen für die Entwicklung der Verfahren hat, wird in den vorliegenden Angaben nicht näher ausgeführt.

Die Prognose zeichnet damit ein unterschiedliches Bild für Unternehmen und Privatpersonen. Während die Zahl der Firmeninsolvenzen nach Einschätzung des Verbands nahezu stabil bleibt, wird bei den Privatinsolvenzen ein deutliches Wachstum erwartet. Für die Unternehmen geht der KSV1870 zugleich von einer hohen Zahl betroffener Gläubiger, Beschäftigter und Verbindlichkeiten aus.

Die genannten Werte sind Prognosen beziehungsweise Zwischenstände des KSV1870. Die endgültige Zahl der Insolvenzverfahren für das Gesamtjahr kann daher von der aktuellen Schätzung abweichen. Die Entwicklung betrifft Österreich insgesamt.

Quelle: KURIER ↗