In der Türkei ist die Zahl der Menschen, die nach einer Razzia gegen LGBTQ-Aktivisten und Unterstützer in Untersuchungshaft genommen wurden, auf 62 gestiegen. Türkische Gerichte ordneten nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation die Inhaftierung weiterer Betroffener an. Die Razzia hatte am Wochenende begonnen.
Unter den Festgenommenen befinden sich demnach LGBTQ-Aktivisten sowie Menschen, die als Unterstützer der Community gelten. Weitere Einzelheiten zu den Vorwürfen gegen die Betroffenen oder zur Dauer der Untersuchungshaft wurden in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Das Vorgehen wird von Beobachtern in einen politischen Zusammenhang mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan gestellt. Der Politikwissenschaftler Koen Slootmaeckers von der City St George’s, University of London, erklärte, Erdoğan wolle das Bild eines starken und „männlichen Staates“ vertreten. LGBTQ-Menschen würden in diesem politischen Verständnis als Bedrohung dieses Ideals betrachtet.
Die Entwicklung gilt als weiterer Ausdruck des Vorgehens gegen LGBTQ-Personen und ihre Unterstützer in der Türkei. Die Zahl von 62 Inhaftierten beruht auf den Angaben einer Menschenrechtsorganisation, die von der französischen Nachrichtenseite France 24 English wiedergegeben wurden.
Die Festnahmen erfolgten im Anschluss an die am Wochenende eingeleitete Razzia. Die verfügbaren Informationen machen keine Angaben dazu, an welchen Orten die Maßnahmen stattfanden, welche konkreten Anschuldigungen erhoben werden oder ob bereits Anklagen gegen die Inhaftierten vorliegen. Auch ist nicht bekannt, wann die Gerichte über das weitere Vorgehen entscheiden.
Der Fall verdeutlicht nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers die Bedeutung, die der Konflikt um LGBTQ-Rechte im politischen Umfeld der türkischen Regierung inzwischen hat. Slootmaeckers’ Einordnung zufolge werden LGBTQ-Menschen dabei nicht nur als gesellschaftliche Gruppe betrachtet, sondern zugleich als Gegensatz zu einem Staatsbild, das Stärke und Männlichkeit betont.
Die Angaben zur Zahl der Inhaftierten beziehen sich auf den aktuellen Stand nach den jüngsten Gerichtsentscheidungen. Ob weitere Festnahmen folgen oder sich die Zahl verändern wird, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.