China verstärkt sein Vorgehen gegen Betrugszentren im benachbarten Myanmar. In den Einrichtungen arbeiten nach vorliegenden Angaben Hunderttausende Menschen, die weltweit Opfer von Cyberbetrug machen. Zugleich weisen Menschenrechtsgruppen darauf hin, dass ein Teil der dort eingesetzten Personen möglicherweise selbst Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit ist.
Die Zentren befinden sich in der Grenzregion zwischen Myanmar und China sowie in angrenzenden Gebieten Südostasiens. Ein einzelner, eindeutig bestätigter Tatort lässt sich den vorliegenden Informationen zufolge nicht benennen. Von dort aus werden Menschen in verschiedenen Teilen der Welt ins Visier genommen. Betroffen sind unter anderem die Vereinigten Staaten, Europa, Großbritannien und China.
US-Behörden gehen davon aus, dass die Betrugsnetzwerke allein gegenüber US-Bürgern Schäden von fast zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr verursachen. Angaben zur Gesamthöhe der weltweit erbeuteten Summen liegen in den vorliegenden Informationen nicht vor. Auch genauere Einzelheiten zu den Maßnahmen Chinas und zum Umfang des Vorgehens sind bislang nicht bekannt.
Die Betrugszentren stehen zugleich im Zusammenhang mit organisierter grenzüberschreitender Kriminalität. Neben dem digitalen beziehungsweise telefonisch unterstützten Betrug spielt dabei nach den Angaben auch Menschenhandel eine wichtige Rolle. Menschenrechtsorganisationen warnen, dass Beschäftigte nicht in allen Fällen freiwillig in den Einrichtungen arbeiten. Einige würden demnach unter Zwang festgehalten und zur Ausführung der Betrugsaktivitäten genötigt.
Damit verbindet sich die Bekämpfung der Zentren mit zwei unterschiedlichen Problemlagen: Einerseits richten sich die kriminellen Netzwerke gegen Menschen in vielen Ländern, andererseits können die in den Anlagen eingesetzten Personen selbst zu deren Opfern gehören. Wie viele Beschäftigte unter Zwang arbeiten und wie viele freiwillig angeworben wurden, ist anhand der vorliegenden Informationen nicht feststellbar.
Die Entwicklung betrifft damit nicht nur die chinesisch-myanmarische Grenzregion. Die Reichweite der mutmaßlichen Betrugsfälle erstreckt sich über mehrere Kontinente, während die vermuteten Arbeits- und Ausbeutungsstrukturen in den Zentren regional konzentriert sind. Weitere Angaben zu Festnahmen, geräumten Anlagen oder konkreten Ermittlungen liegen bislang nicht vor. Über das verstärkte Vorgehen Chinas berichtete zuerst France 24 English.
Kurz zusammengefasst
- China verstärkt sein Vorgehen gegen Betrugszentren in der Grenzregion zu Myanmar
- US-Behörden schätzen den jährlichen Schaden für US-Bürger auf fast zehn Milliarden US-Dollar
- Menschenrechtsgruppen warnen, dass Beschäftigte teils Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit sind
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