In Österreich haben sich im August so viele junge Männer für den Zivildienst entschieden wie in keinem August zuvor. Nach Angaben aus der aktuellen Berichterstattung wurden 1.327 Zivildiensterklärungen abgegeben. Das entspricht einem Anstieg von 51 Prozent gegenüber dem August des Vorjahres. Von Jänner bis einschließlich August liegt das Plus bei 8,4 Prozent.
Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der die künftige Ausgestaltung des Zivildienstes politisch beraten wird. Die österreichische Regierung hat im Sommer eine Regelung vereinbart, die zunächst eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes auf elf Monate ermöglichen soll. Verbindlich würde die längere Dauer erst dann, wenn in einem Jahrgang weniger als 13.875 Grundwehrdiener zur Verfügung stehen. In diesem Fall würde sich der Zivildienst ab dem darauffolgenden Jahr automatisch auf elf Monate verlängern.
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25.09.2026Für den Grundwehrdienst ist ab dem 1. Jänner 2027 ohnehin eine Dauer von insgesamt neun Monaten vorgesehen. Damit könnte der Zivildienst künftig deutlich länger dauern als bisher, sofern die Zahl der Grundwehrdiener unter den festgelegten Schwellenwert fällt. Die aktuellen Antragszahlen deuten darauf hin, dass viele junge Männer die laufende Debatte aufmerksam verfolgen. Ob der Anstieg tatsächlich auf die geplante Neuregelung zurückzuführen ist, lässt sich aus den vorliegenden Angaben jedoch nicht eindeutig ableiten.
Die Reform ist parlamentarisch allerdings noch nicht beschlossen. Für ein entsprechendes Gesetz benötigt die Dreier-Koalition eine Zweidrittelmehrheit. Dafür wären zumindest Stimmen der FPÖ oder der Grünen erforderlich. Beide Oppositionsparteien haben sich bislang abwartend zur geplanten Verlängerung gezeigt.
Bei den Grünen gilt insbesondere die Bezahlung als zentraler Punkt. Der grüne Wehrsprecher David Stögmüller fordert demnach eine Angleichung des Entgelts für Zivildiener an jenes der Grundwehrdiener. Von dieser Forderung wolle seine Partei nicht abrücken. Weitere Angaben zu möglichen Verhandlungen oder zu einem konkreten Zeitplan für die parlamentarische Entscheidung liegen in den vorliegenden Informationen nicht vor.
Neu geregelt werden soll außerdem die Möglichkeit, einen Freiwilligendienst anstelle des Zivildienstes anrechnen zu lassen. Künftig soll dies nur noch für höchstens ein Prozent der Stellungspflichtigen eines Jahrgangs möglich sein. Das entspricht derzeit rund 360 Personen. Voraussetzung wären entweder zwölf Monate in Vollzeit mit einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden oder insgesamt 2.000 geleistete Arbeitsstunden. Zudem sollen die verfügbaren Plätze begrenzt werden.
Die geplante Reform verbindet damit mehrere Änderungen: Der Grundwehrdienst soll verlängert werden, der Zivildienst könnte unter bestimmten Bedingungen automatisch auf elf Monate steigen, und die Anrechnung von Freiwilligendiensten würde stärker begrenzt. Ob und in welcher Form diese Vorhaben umgesetzt werden, hängt von der noch ausstehenden Zustimmung im Parlament ab.
Über die Rekordzahl der im August abgegebenen Zivildiensterklärungen berichtete der KURIER unter Berufung auf die aktuellen Zahlen.
Kurz zusammengefasst
- Im August wurden in Österreich 1.327 Zivildiensterklärungen abgegeben, 51 Prozent mehr als im Vorjahresmonat
- Der Zivildienst soll freiwillig auf elf Monate verlängerbar werden und bei weniger als 13.875 Grundwehrdienern automatisch länger dauern
- Die Reform braucht eine Zweidrittelmehrheit; die Grünen fordern zudem eine Angleichung des Zivildienst-Entgelts
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