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EU exportiert immer mehr Plastikmüll in die Türkei

Ein Bericht der EU-Kommission beschreibt erhebliche Probleme beim Umgang mit importiertem Plastikmüll in der Türkei. Trotzdem sollen die Ausfuhren aus der EU zunächst weiter steigen.

EU exportiert immer mehr Plastikmüll in die Türkei
Foto: Gaurav Ranjitkar · Pexels
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Die Türkei bleibt der wichtigste Abnehmer von Plastikmüll aus der Europäischen Union, obwohl ein Bericht der EU-Kommission erhebliche Probleme bei der Entsorgung und Verarbeitung feststellt. Ein großer Teil der aus Europa gelieferten Abfälle wird demnach offenbar nicht recycelt, sondern verbrannt, deponiert oder in der Umwelt abgelagert. Die EU setzt dennoch zunächst auf strengere Kontrollen und Zusagen der türkischen Seite statt auf einen Exportstopp.

Jährlich werden nach den vorliegenden Angaben rund 1,5 Millionen Tonnen Plastikmüll aus der EU in andere Länder transportiert. Mehr als ein Drittel davon gelangt in die Türkei. Dazu gehören auch Abfälle aus Deutschland und Österreich. Der Transport erfolgt häufig per Containerschiff. In der Türkei sollen die Kunststoffabfälle jedoch vielfach nicht zu neuen Produkten verarbeitet werden. Stattdessen entstehen dem Bericht zufolge Deponien mit großen Mengen Plastik, zudem werde Müll verbrannt oder in der Natur entsorgt.

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Die EU-Kommission bewertet den Umgang mit den Abfällen als gravierendes Problem. Die festgestellten Vorgänge stehen demnach im Widerspruch zu den geltenden Vereinbarungen für die Abfallverbringung. Konsequenzen in Form von Sanktionen oder eines sofortigen Verbots wurden bislang allerdings nicht angekündigt. Stattdessen soll die Türkei zugesichert haben, die Missstände zu beheben. Die Europäische Union will die Behandlung der Abfälle genauer beobachten. Sollte sich die Situation nicht verbessern, könnte ein Ende der Exporte geprüft werden. Genauere Angaben zu möglichen Maßnahmen oder einem Zeitplan liegen bislang nicht vor.

Die Bedeutung der Türkei für den europäischen Abfallhandel dürfte unterdessen weiter zunehmen. Im November tritt eine neue Abfallverbringungsverordnung in Kraft. Sie soll den Export von Plastikabfällen neu regeln und grundsätzlich auf Staaten beschränken, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, angehören. Ziel ist, dass Kunststoffabfälle außerhalb der EU zwar verarbeitet werden können, dies aber unter einer stärkeren Aufsicht europäischer Behörden geschieht.

Mit der neuen Regelung fallen mehrere bisherige Abnehmer weg. Indonesien und Malaysia gehören nicht zur Gruppe der OECD-Staaten. China, das lange große Mengen europäischen Plastikmülls importierte, hat seine Einfuhren aus Europa bereits vor einigen Jahren weitgehend eingestellt. Für die Türkei bedeutet das eine noch größere Rolle als Zielstaat. Die vorliegenden Informationen nennen zudem Laos und Bangladesch als Länder, die Ausnahmegenehmigungen für Importe beantragt haben. Nicht-OECD-Staaten können sich in Brüssel um eine entsprechende Genehmigung bemühen. Ob die vorgesehenen Kontrollen dort wirksam greifen würden, ist bislang offen.

Gleichzeitig bleibt die Recyclingquote innerhalb der EU deutlich hinter den politischen Zielen zurück. Derzeit werden nach den Angaben rund 40 Prozent des Plastikmülls recycelt. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 70 Prozent steigen. Steigende Energiekosten machen die Verarbeitung in Europa jedoch teurer und erhöhen den Anreiz, Abfälle ins Ausland zu bringen. Deutsche Recyclingunternehmen berichten demnach bereits von einem Mangel an Material für ihre Anlagen. Das zeigt, dass der Export nicht nur eine Frage der Entsorgung, sondern auch der Verfügbarkeit von Wertstoffen für europäische Recyclingbetriebe ist.

Umweltschutzorganisationen kritisieren, dass die Verlagerung des Mülls die eigentlichen Probleme nicht löse. Nach Einschätzung von Global 2000 fehlen in der Türkei ausreichende Kontrollen, verlässliche Daten und wirksame öffentliche Aufmerksamkeit bei Umweltverstößen. Auch Maßnahmen wie ein Pfandsystem für Plastikflaschen hätten bislang nicht verhindert, dass in Europa weiterhin große Mengen Kunststoffabfall entstehen.

Nach Ansicht der Organisation ist Recycling zudem nicht die optimale Lösung, weil für die Herstellung einer neuen Plastikflasche aus recyceltem Material weitere alte Flaschen und erhebliche Energiemengen benötigt würden. Als nachhaltiger gilt daher eine Verringerung von Einwegverpackungen. Die EU steht damit vor einem doppelten Problem: Sie produziert mehr Plastikmüll, als sie selbst verarbeitet, und verlagert die Folgen der Entsorgung zunehmend in andere Länder. Das berichtete zuerst der KURIER.

Kurz zusammengefasst

  • Mehr als ein Drittel der jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen EU-Plastikmüll landet in der Türkei
  • Laut EU-Kommission wird der Müll dort vielfach verbrannt, deponiert oder in der Umwelt abgelagert statt recycelt
  • Die EU setzt zunächst auf Kontrollen und türkische Zusagen; bei ausbleibender Verbesserung könnte sie Exporte stoppen
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