Das israelische Militär hat eine Untersuchung zu getöteten Medienmitarbeitern im Gazastreifen veröffentlicht. Nach israelischer Darstellung waren 170 der Getöteten keine Journalisten, sondern Militante, die sich als Angehörige der Medien ausgegeben hätten. Mit den Ergebnissen will die Armee Vorwürfe zurückweisen, wonach Journalisten gezielt angegriffen worden seien.
Die Veröffentlichung erfolgt vor dem Hintergrund einer anhaltenden Auseinandersetzung über die Verantwortung für den Tod von Medienschaffenden im Gaza-Krieg. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Betroffenen wegen ihrer journalistischen Tätigkeit angegriffen wurden oder ob sie nach israelischer Einschätzung Mitglieder bewaffneter Gruppen waren. Genauere Angaben zu den einzelnen Fällen und zu der Methodik der Untersuchung liegen in den vorliegenden Informationen nicht vor.
Das israelische Militär erklärte, die Untersuchung widerlege Anschuldigungen, wonach Journalisten absichtlich ins Visier genommen worden seien. Damit weist Israel die Darstellung zurück, dass die getöteten Medienarbeiter allein aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit angegriffen wurden. Die Armee ordnet die 170 Personen stattdessen Militanten zu, die nach ihrer Darstellung den Anschein erweckt hätten, für Medien zu arbeiten.
Menschenrechtsorganisationen widersprechen dieser Einschätzung. Sie machen das israelische Militär beziehungsweise Israel für den Tod von Hunderten Angehörigen der Nachrichtenmedien verantwortlich. Aus den vorliegenden Angaben geht nicht hervor, auf welche einzelnen Fälle oder Belege sich die Organisationen dabei beziehen. Ebenso ist nicht bekannt, ob und in welchem Umfang die israelische Untersuchung von unabhängigen Stellen geprüft wurde.
Die unterschiedlichen Bewertungen verdeutlichen die gegensätzlichen Darstellungen der Ereignisse im Gazastreifen. Während die israelische Seite mit ihrer Untersuchung eine gezielte Tötung von Journalisten bestreitet, sehen Menschenrechtsgruppen Israel in einer umfassenderen Verantwortung für die Todesfälle unter Medienschaffenden. Eine abschließende unabhängige Klärung der genannten Fälle ist anhand der vorliegenden Informationen nicht ersichtlich.
Das berichtete zuerst die New York Times World.
Kurz zusammengefasst
- Das israelische Militär stuft 170 getötete Medienmitarbeiter als Militante ein, die sich als Medienangehörige ausgegeben hätten
- Mit der Untersuchung weist die Armee Vorwürfe zurück, Journalisten seien gezielt wegen ihrer Arbeit angegriffen worden
- Menschenrechtsorganisationen machen Israel für den Tod Hunderter Medienschaffender verantwortlich; eine unabhängige Prüfung ist unklar
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