Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) sieht Fernwärmekunden in einer strukturell schwierigen Lage. In einem 160-seitigen Bericht fordert die Behörde mehr Transparenz, eine einheitlichere Rechtsgrundlage und eine Anlaufstelle für Streitfälle. Insgesamt enthält die Untersuchung 14 Handlungsempfehlungen für den Fernwärmesektor.
Auslöser für die Analyse war eine steigende Zahl an Beschwerden. Die BWB nahm die Branche im Jahr 2024 genauer in den Blick und untersuchte dabei unter anderem die Preisentwicklung, die Anbieterstruktur und die Zusammensetzung der Tarife in Österreich. Nach Einschätzung der Behörde fehlt es in dem Markt an üblichen Wettbewerbsbedingungen.
Fernwärme gewinnt in Österreich an Bedeutung. Rund ein Drittel der Haushalte wird nach Angaben der BWB inzwischen auf diese Weise versorgt. Die Netze wachsen demnach jährlich um etwa 120 Kilometer. Im ganzen Land gibt es hunderte Unternehmen mit jeweils eigenen Versorgungsnetzen. Für die Kunden entsteht dadurch häufig eine Situation, in der sie nach dem Anschluss an ein Netz den Anbieter nicht mehr wechseln können. Ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Systemen ist dann nicht mehr möglich.
Zwischen 2021 und 2023 stiegen die Fernwärmepreise laut Bericht um vier bis fünf Cent je Kilowattstunde. Als wesentlichen Grund nennt die BWB die Kostenentwicklung bei den eingesetzten Wärmequellen. Erdgas hatte dabei einen Anteil von 44 Prozent, Biomasse von 29 Prozent. Industrielle Abwärme kam auf 14 Prozent, Müllverbrennung auf elf Prozent.
Einen missbräuchlichen Umgang mit den Kosten, die Fernwärmeunternehmen an ihre Kunden weitergeben, stellte die Behörde nach eigenen Angaben nicht fest. Gleichzeitig seien die Rechnungen und Tarifmodelle so komplex, dass ihre Zusammensetzung für Verbraucher kaum nachvollziehbar sei. Selbst die Untersuchung der BWB habe viel Zeit benötigt, um Tarife und Abrechnungen vollständig zu verstehen.
Kritisch bewertet die Behörde auch die derzeit verfügbaren Vergleichsinstrumente. Die Online-Plattform waermepreise.at des Wirtschaftsministeriums biete vielfach keine verlässlichen und vergleichbaren Daten. Zudem seien Tarife häufig an Indizes gekoppelt, die nicht öffentlich zugänglich seien oder keinen ausreichenden Bezug zu den tatsächlichen Kosten der Fernwärmeunternehmen hätten. Genauere Angaben dazu, welche Anpassungen an der Plattform konkret vorgenommen werden sollen, enthält die vorliegende Meldung nicht.
Nach Ansicht der BWB fehlt es außerdem an einer eigenen Regulierungs- und Schlichtungsstruktur für Fernwärme. Für Bereiche wie Telekommunikation, Post, Strom und Gas gibt es entsprechende Regulatoren, für die Fernwärme jedoch nicht. Ob die für Strom und Gas zuständige E-Control diese Aufgabe künftig übernehmen sollte, ließ die Generaldirektorin der BWB, Natalie Harsdorf, offen. Sie verwies darauf, dass dies einer politischen Diskussion vorbehalten sei, und hob zugleich die Schlichtungsfunktion der E-Control in den bestehenden Zuständigkeitsbereichen hervor.
Als weiteres Problem nennt der Bericht die Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Der Rechtsrahmen sei dadurch zersplittert und schwer verständlich. Die Wettbewerbsbehörde empfiehlt deshalb ein einheitliches und vereinfachtes Regelwerk für den gesamten Fernwärmesektor.
Zu den zentralen Vorschlägen gehört außerdem, Anschlusszwänge zu vermeiden. Bei der Planung eines Wohnprojekts soll nach den Vorstellungen der BWB auch dann eine freie Entscheidung über das Heizsystem möglich sein, wenn bereits eine Fernwärmeleitung in der Nähe liegt. Damit soll ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Heizlösungen erhalten bleiben.
Darüber hinaus empfiehlt die Behörde mehr Ausschreibungen für Dienstleistungen rund um die Fernwärme, etwa für das Ablesen von Zählern. Kunden sollten transparent erfahren können, welche Leistungen ausgewählt werden und welche Kosten damit verbunden sind. Eine Schlichtungsstelle und eine Überarbeitung der Preisvergleichsplattform gehören ebenfalls zu den vorgeschlagenen Maßnahmen.
Die BWB macht dabei nicht einzelne Unternehmen für die festgestellten Defizite verantwortlich. Nach ihrer Einschätzung liegen die Ursachen vor allem in den Strukturen des Marktes und in den geltenden Regeln. Das berichtete zuerst der KURIER.
Kurz zusammengefasst
- Fernwärmekunden können nach dem Netzanschluss oft den Anbieter nicht wechseln, wodurch Wettbewerb entfällt
- Die Fernwärmepreise stiegen von 2021 bis 2023 um vier bis fünf Cent je Kilowattstunde
- Die BWB fordert mehr Transparenz, einheitliche Regeln und eine eigene Schlichtungsstelle für Fernwärme
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