Die geplante „Work and Stay“-Agentur zur Anwerbung ausländischer Fachkräfte kommt bislang nicht voran. Wirtschaftsverbände und mehrere Parteien fordern eine schnelle Entscheidung über die Zentralisierung der Zuständigkeiten. Die Eckpunkte stehen seit November 2025 fest, ein Gesetzentwurf war für das Frühjahr angekündigt worden, berichtete t-online.
Die SPD drängt nach eigenen Angaben auf Fortschritte. Die migrationspolitische Sprecherin Rasha Nasr sagte, das Bundesarbeitsministerium und Ministerin Bärbel Bas trieben die Umsetzung mit großem Nachdruck voran. Dafür sei eine Entscheidung des Bundesinnenministeriums erforderlich.
Auch aus der Union kommt die Forderung nach einer zügigen Umsetzung. Der zuständige Berichterstatter Markus Reichel erklärte, Deutschland brauche Fachkräfte schneller, als die bestehenden Verfahren sie ins Land brächten. Unternehmen warteten zu lange, Behörden arbeiteten mit zu vielen Zuständigkeiten und internationale Fachkräfte erlebten Deutschland häufig als kompliziert und langsam. Die Agentur sei eines der zentralen Vorhaben der Bundesregierung.
Florian Swyter vom Gesamtverband der Personaldienstleister forderte das Bundesinnenministerium auf, seine Blockade aufzugeben und einer Zentralisierung zuzustimmen. Arbeitgeber seien sich einig, dass Deutschland auch künftig Fachkräfte brauche. Der Geschäftsführer der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeber, Steffen Kampeter, sprach sich ebenfalls für gebündelte Zuständigkeiten beim Bund aus. Die Agentur müsse als einheitliche und verlässliche Datendrehscheibe für Unternehmen und Fachkräfte funktionieren.
Derzeit sind mehr als 500 Ausländerbehörden in Deutschland in den Visaprozess eingebunden. Kritiker bemängeln dadurch unterschiedliche Entscheidungen und längere Wartezeiten in manchen Regionen. Befürworter einer Bündelung versprechen sich klarere Kriterien und schnellere Entscheidungen durch einen digitalisierten Ablauf. Eine vollständige Zentralisierung würde allerdings der kommunalen Ebene Kompetenzen entziehen und den Ländern Gestaltungsspielräume bei der Verteilung von Visa nehmen. Bayern hat bereits eine zentrale Ausländerbehörde in Nürnberg eingerichtet.
Das von Alexander Dobrindt geführte Bundesinnenministerium nannte auf Anfrage keine konkreten Gründe für die Verzögerung. Die Vorarbeiten zur Übersetzung der Eckpunkte in konkrete Anforderungen und Arbeitsaufträge seien noch nicht vollständig abgeschlossen. Das Ministerium teilte außerdem mit, detailliertere Angaben zu Zuständigkeiten und Zeitplänen seien derzeit noch nicht möglich.
Die Grünen-Politikerin Lamya Kaddor sagte, es dränge sich der Eindruck auf, dass die Agentur nicht zur migrationspolitischen Linie der Bundesregierung passe. Deutschland brauche ausländische Fachkräfte, erklärte sie. Der Linken-Politiker Pascal Meiser forderte zusätzlich Maßnahmen gegen die Ausbeutung ausländischer Beschäftigter, darunter eine strengere Regulierung von Vermittlungsagenturen, mehr Beratung und bessere Unterstützung bei der Durchsetzung von Rechten.
Nach Angaben des Berichts sinkt in diesem Jahr erstmals die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland. Der Bedarf an Fachkräften dürfte vor diesem Hintergrund in den kommenden Jahren steigen. Besonders die Pflege sei bereits heute stark auf Zuwanderung angewiesen, sagte Thomas Knieling vom Verband der Deutschen Alten- und Behindertenhilfe.
Reichel zufolge stehen im kommenden Haushaltsjahr 280 Millionen Euro für das Vorhaben bereit. Das Bundesarbeitsministerium teilte mit, die notwendigen Entscheidungen zur konkreten Ausgestaltung sollten noch in diesem Herbst fallen. Nasr zeigte sich zuversichtlich, dass zeitnah eine gemeinsame Lösung gefunden und die Umsetzung anschließend zügig begonnen werden könne.
Kurz zusammengefasst
- Wirtschaftsverbände und mehrere Parteien fordern eine schnelle Entscheidung über die Zentralisierung der Zuständigkeiten
- Mehr als 500 Ausländerbehörden sind am Visaprozess beteiligt, was zu unterschiedlichen Entscheidungen und langen Wartezeiten führen kann
- Das Innenministerium nennt keine Gründe für die Verzögerung; 280 Millionen Euro stehen im kommenden Haushaltsjahr für das Vorhaben bereit
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