Frankreich und Deutschland wollen Dieselreserven freigeben, die sie bereits im März zugesagt hatten. Welche Mengen die beiden Länder genau bereitstellen werden, blieb zunächst offen.
Die G7-Staaten hatten am Freitag angekündigt, innerhalb von 20 Tagen eine „erhebliche“ Menge Diesel aus ihren Vorräten freizugeben. Damit sollten die globalen Preise gesenkt werden. Vorausgegangen waren nach Angaben der Diplomaten Drohungen hochrangiger Vertreter der Regierung von US-Präsident Donald Trump, ein Exportverbot für den Kraftstoff zu verhängen, falls europäische Länder ihre Reserven nicht öffneten.
Bei einem nicht öffentlichen Treffen von EU-Energievertretern am Mittwoch hätten Frankreich und Deutschland erklärt, die Freigabe werde keine neuen Dieselbestände umfassen. Stattdessen sollten Mengen genutzt werden, die bereits im Rahmen einer breiteren europäischen Zusage über die Freigabe von 100 Millionen Barrel vereinbart worden seien. Zwei Drittel davon entfielen auf raffinierte Produkte. Die Vereinbarung war im März, wenige Wochen nach dem Ausbruch des Krieges im Iran, durch die Internationale Energieagentur vermittelt worden.
Deutschland hatte von den zugesagten 2,65 Millionen Tonnen Öl, Diesel und Flugbenzin bislang 600.000 Tonnen auf den Markt gebracht. Wie viel Frankreich aus seiner eigenen Zusage über die Freigabe von 14,6 Millionen Barrel Ölprodukten beigesteuert habe, sei unklar. Paris habe jedoch intern signalisiert, dass unter der März-Zusage noch 8 Millionen Barrel verfügbar seien, die nun im Rahmen der aktuellen Initiative beigesteuert werden könnten, sagten zwei weitere Diplomaten.
Die beiden Länder verfügen laut dem Bericht über einige der größten Vorräte an raffinierten Ölprodukten in Europa. Die Regierung von Trump habe sie dafür kritisiert, im März nicht ihren vollständigen Anteil beigesteuert zu haben. Deutschland führe dies nach einem von POLITICO eingesehenen Dokument auf eine schwache Nachfrage nach den betreffenden Mengen zurück.
Ob die Staaten letztlich zusätzliche Barrel zusagen werden, blieb offen. Frankreich habe am Mittwoch signalisiert, zusätzlich zu den im März vereinbarten Mengen 2 Millionen Barrel Diesel freigeben zu können, sich aber nicht eindeutig dazu verpflichtet, sagten zwei Diplomaten. Für Donnerstag sei ein außerordentliches Treffen der Internationalen Energieagentur geplant.
Andere Mitgliedstaaten seien unterdessen darüber verunsichert, wer welche Menge und zu welchem Zeitpunkt zusage. Einige osteuropäische Länder wie Bulgarien hätten zudem davor gewarnt, Reserven zur Bekämpfung der Preise zu stark abzubauen. Dadurch könnten sie im Fall einer Versorgungskrise ungeschützt sein.
Eine Sprecherin des deutschen Wirtschafts- und Energieministeriums bestätigte am Dienstag, Berlin werde keine neuen Barrel freigeben. Die G7 habe die Internationale Energieagentur aufgefordert, die schnelle und vollständige Umsetzung der im März eingegangenen Verpflichtungen zu überwachen. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung bereits erfüllter Zusagen sollten die Verpflichtungen durch eine koordinierte Freigabe von 100 Millionen Barrel über die Internationale Energieagentur umgesetzt werden. Zusätzliche Mengen würden demnach zunächst nicht freigegeben.
Kurz zusammengefasst
- Frankreich und Deutschland wollen bereits im März zugesagte Dieselreserven freigeben, ohne zunächst neue Bestände bereitzustellen
- Genaue Mengen bleiben offen; Frankreich signalisiert bis zu 2 Millionen zusätzliche Barrel, verpflichtet sich dazu aber nicht eindeutig
- Die G7 wollen binnen 20 Tagen erhebliche Dieselvorräte freigeben, um globale Preise zu senken
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