Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen hat sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 1990 vervierfacht. Der Anteil der Betroffenen unter den Fünf- bis 19-Jährigen sei von zwei Prozent auf rund acht Prozent gestiegen, berichtete UN News.
Im Jahr 2024 lebten demnach rund 170 Millionen Kinder und Jugendliche mit Fettleibigkeit. Dazu gehörten 70 Millionen Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren sowie rund 100 Millionen Jugendliche bis 19 Jahre.
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08.10.2026Die WHO bezeichnet Fettleibigkeit als chronische und wiederkehrende Krankheit, die durch übermäßige Fettablagerungen ausgelöst werde und mit einer wirksamen Versorgung behandelt werden könne. Betroffene Kinder und Jugendliche könnten bereits sehr früh medizinische und soziale Folgen erleben.
Fettleibigkeit erhöhe das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten wie Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem steige die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche Stigmatisierung, Diskriminierung und Mobbing ausgesetzt seien. Dies könne die psychische Gesundheit stark beeinträchtigen.
In ihren neuen Leitlinien empfiehlt die WHO nachdrücklich Veränderungen bei der Ernährung, mehr körperliche Aktivität und weitere Maßnahmen zur Veränderung des Verhaltens. Für Kinder im Alter von null bis neun Jahren empfiehlt sie keine medikamentöse Behandlung, keine bariatrische Operation und keine Geräte zur Gewichtsabnahme.
Bei Jugendlichen zwischen zehn und 19 Jahren sollten zugelassene Medikamente wie GLP-1-Therapien erst dann erwogen werden, wenn ein überwachtes Programm zur Änderung des Lebensstils keine Verbesserungen gebracht habe. Auch ein chirurgischer Eingriff könne bei schwerer Fettleibigkeit unter strengen Bedingungen in Betracht gezogen werden.
Die Grundlage der Behandlung seien nicht Medikamente oder Operationen, sondern umfassende Unterstützung für gesunde Ernährung, Bewegung und nachhaltige Verhaltensänderungen, erklärte Luz María De Regil, Direktorin der WHO-Abteilung für Ernährung und Lebensmittelsicherheit. Die Versorgung müsse außerdem die psychische Gesundheit einbeziehen, weil psychische Belastungen sowohl zur Krankheit beitragen als auch durch sie entstehen könnten.
Angstzustände, Depressionen, ein geringes Selbstwertgefühl und Schwierigkeiten bei der Regulierung von Gefühlen könnten ungesundes Essverhalten, Bewegungsmangel und sozialen Rückzug begünstigen. Kinder und Jugendliche mit Fettleibigkeit könnten zugleich durch Stigmatisierung und Mobbing in ihrem emotionalen Wohlbefinden beeinträchtigt werden.
Die Leitlinien betonen, dass die Behandlung über eine Gewichtsabnahme hinausgehen solle. Sie müsse auf eine bessere Gesundheit, Funktionsfähigkeit und Lebensqualität zielen, an die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Kindes angepasst sein und eine langfristige Betreuung sicherstellen.
Die WHO erklärte zugleich, allein durch Behandlung lasse sich der Anstieg der Fettleibigkeit nicht umkehren. Dafür seien systemische Veränderungen notwendig. Die Organisation forderte politische Maßnahmen, die gesunde Ernährung und körperliche Aktivität zugänglicher und erschwinglicher machten. Dazu zählten regulatorische und steuerliche Maßnahmen sowie Schritte in den Bereichen Bildung, Stadtplanung, Verkehr und soziale Sicherung.
De Regil erklärte, Priorität müsse der Zugang jedes Kindes und jedes Jugendlichen zu einer hochwertigen Versorgung und unterstützenden Lebensumgebung von frühem Alter an sein. Dies solle helfen, ein gesundes Gewicht zu erreichen und zu halten und die Grundlage für langfristige Gesundheit und Wohlbefinden zu schaffen.
Kurz zusammengefasst
- Die WHO berichtet, dass sich Fettleibigkeit bei 5- bis 19-Jährigen seit 1990 vervierfacht hat und 2024 rund 170 Millionen betroffen waren
- Neue WHO-Leitlinien empfehlen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderungen; Medikamente oder Operationen gelten nur unter strengen Bedingungen
- Die WHO fordert politische Maßnahmen für erschwingliche gesunde Ernährung und mehr Bewegung in Bildung, Stadtplanung und Verkehr
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