Ein Zulieferbetrieb für Atomkraftwerke in Lingen im Emsland bereitet die Herstellung von Brennelementen russischer Bauart vor. Die Framatome-Tochter Advanced Nuclear Fuels (ANF) teilte mit, sie werde nun die notwendigen Anpassungen im Werk beginnen.
Das niedersächsische Umweltministerium erteilte ANF am 5. Oktober die endgültige Genehmigung. Als Grundlage nannte das Ministerium eine Sicherheitseinschätzung des Bundes aus dem Februar. Die Genehmigung erfolgte unter Protest von Umweltminister Christian Meyer (Grüne), der das Projekt kritisiert.
Framatome und TVEL, ein Tochterunternehmen des russischen Staatskonzerns Rosatom, haben ein Gemeinschaftsunternehmen für die Lizenzfertigung gegründet. In dessen Auftrag sollen die Brennelemente in Lingen produziert werden. Zum Einsatz kommen russische Lizenzen, russische Technik und Maschinen der Rosatom-Tochter TVEL.
Die Brennelemente sind für einen sowjetischen Druckwasserreaktortyp bestimmt. Westliche Brennelemente können laut dem Bericht in den Reaktoren sowjetischer Bauart nicht verwendet werden. Sie unterscheiden sich bereits durch ihre Form: In Westeuropa, den USA und Asien seien viereckige Elemente üblich, während die Kraftwerke östlicher Bauart sechseckige Brennelemente nutzten.
Framatome erklärte, die Genehmigung schließe ein umfassendes, mehrere Jahre dauerndes behördliches Prüfungsverfahren ab. Dabei sei nachgewiesen worden, dass die Vorgaben des deutschen Atomgesetzes eingehalten würden.
Der Bund für Umwelt- und Naturschutz und die Anti-Atomkraftinitiative »ausgestrahlt« wollen die Erweiterung gerichtlich stoppen. Das Bündnis kündigte einen Eilantrag an, mit dem der vom Ministerium genehmigte Sofortvollzug außer Kraft gesetzt werden solle. Nach Ansicht des Bündnisses dürften keine Fakten geschaffen werden, solange die Genehmigung nicht abschließend juristisch geprüft sei.
Das Bundesumweltministerium teilte mit, die Genehmigung müsse erteilt werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Die Beteiligung des russischen Staatskonzerns Rosatom an einem atomrechtlichen Genehmigungsverfahren während des russischen Angriffskriegs in Europa sei ein besonderer Fall. Das Ministerium sehe die Kooperation kritisch, halte dafür aber EU-weite Sanktionen auch für den Nuklearbereich und nicht das Atomrecht für das geeignete Instrument.
Befürworter der Erweiterung argumentieren, das Vorhaben sichere die Versorgung osteuropäischer Kraftwerke, weil diese ihre Brennelemente dann nicht mehr bei Rosatom kaufen müssten. Kritiker bezweifeln, dass russische Lizenzen, Maschinen und zugelieferte Bestandteile die Abhängigkeit tatsächlich verringern.
Kurz zusammengefasst
- Die Framatome-Tochter ANF beginnt nach der Genehmigung vom 5. Oktober mit Anpassungen im Werk Lingen
- Ein Gemeinschaftsunternehmen von Framatome und TVEL plant dort Brennelemente russischer Bauart mit russischer Technik
- BUND und ausgestrahlt wollen die Erweiterung stoppen; Kritiker bezweifeln eine geringere Abhängigkeit von Rosatom
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