Der World Wide Fund for Nature (WWF) hat in seinem am Donnerstag veröffentlichten Living Planet Report 2026 einen Rückgang der durchschnittlichen überwachten Wildtierpopulationen um 73 Prozent seit 1970 festgestellt. Africanews berichtete, der Bericht sehe trotz dieser Entwicklung Gründe für Hoffnung.
Der Living Planet Index erfasste 35.803 Populationen aus 5.790 Säugetier-, Vogel-, Reptilien-, Amphibien- und Fischarten über einen Zeitraum von 52 Jahren. Die überwachten Meeresarten gingen demnach um 59 Prozent zurück, bei Süßwasserarten betrug der durchschnittliche Rückgang 85 Prozent. Die Bestände der Landarten sanken um 69 Prozent.
Am stärksten fiel der Rückgang in Lateinamerika und der Karibik mit 95 Prozent aus. Für Afrika weist der Bericht einen Rückgang um 80 Prozent aus. Als häufigste Bedrohung nennt er den Verlust und die Verschlechterung von Lebensräumen. Darauf folgten Übernutzung, Klimawandel, Verschmutzung, invasive Arten und Krankheiten.
Der unter dem Titel „Science of Hope“ veröffentlichte Bericht führe die Erholung von Tigern, Schildkröten, Thunfischen und Elefanten als Beispiele dafür an, dass sich der weltweite Verlust an Natur durch entsprechende Maßnahmen umkehren lasse. In Afrika hätten gezielte Schutzmaßnahmen unter anderem die Bestände von Spitzmaulnashörnern und südafrikanischen Elefanten wachsen lassen.
Länder der Region hätten rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen, durch die lokale Gemeinschaften unmittelbar an der Betreuung von Elefanten beteiligt würden. Diese Maßnahmen würden durch den Kampf gegen den illegalen Handel, Justizreformen und einen Rückgang der Korruption unterstützt, heißt es in dem Bericht.
Die Erfolge seien jedoch weiterhin gefährdet. Die Herausforderung bestehe nicht mehr darin, Lösungen zu finden, sondern sie mit der erforderlichen Geschwindigkeit und in ausreichendem Umfang umzusetzen, erklärte der WWF laut Bericht.
Der Verlust der Natur sei nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung. Die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandsprodukts hänge in irgendeiner Form von der Natur ab. Im Jahr 2023 flossen dem Bericht zufolge rund 7,3 Billionen US-Dollar in Aktivitäten, die der Natur schadeten, während 220 Milliarden US-Dollar in ihren Schutz oder ihre Wiederherstellung investiert worden seien.
Nach Einschätzung des WWF seien Veränderungen in den Energie-, Ernährungs- und Finanzsystemen nötig, um den Verlust an Natur aufzuhalten. Regierungen, Unternehmen, Organisationen und Gemeinschaften müssten dazu beitragen.
Kurz zusammengefasst
- Der WWF verzeichnet seit 1970 einen Rückgang der überwachten Wildtierpopulationen um 73 Prozent
- Besonders stark sanken Süßwasserarten um 85 Prozent sowie Bestände in Lateinamerika und der Karibik um 95 Prozent
- Lebensraumverlust gilt als größte Bedrohung, doch Schutzmaßnahmen ließen Tiger, Elefanten und Nashörner teils wieder zunehmen
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