Der Bundestag befasst sich mit der Reform der Kinder- und Jugendhilfe. Dabei geht es auch darum, wie Kinder mit Behinderung künftig Unterstützung für die Teilnahme am Schulunterricht erhalten, berichtete die tagesschau.
Karolin Klewe von der Lebenshilfe in Braunschweig organisiert Schulassistenzen für etwa 40 Kinder. Nahezu alle würden einzeln betreut. Die Unterstützung reiche je nach Bedarf vom Gang zur Toilette über das frühzeitige Erkennen eines möglichen Anfalls bis zur Hilfe bei der Gefühlsregulation sowie bei Hör- oder Sehbehinderungen.
Das System steht nach Angaben aus dem Beitrag auch wegen steigender Kosten und fehlender Fachkräfte unter Druck. Bundesfamilienministerin Karin Prien sagte, die Bedarfe würden wachsen, die Problemlagen würden komplexer und die Kosten stiegen stark und dynamisch. An der angespannten Fachkräftesituation werde sich ihrer Einschätzung nach kurzfristig wenig ändern.
Prien wolle deshalb sogenannte Pool-Lösungen zur Regel machen. Dabei könnten sich mehrere Kinder eine Betreuung teilen, sofern dies möglich sei. Zugleich müsse es nach ihrer Auffassung weiterhin Einzelassistenzen für Kinder und Jugendliche mit individuellem Bedarf geben.
Sozialverbände befürchten dennoch Einschnitte. Jenny Axmann von der Lebenshilfe sagte, entscheidend sei, dass Kinder mit notwendiger Eins-zu-eins-Begleitung diese auch tatsächlich erhielten, ohne die Unterstützung einklagen zu müssen.
Kritik gibt es außerdem an den Plänen für einen zentralen Ansprechpartner für staatliche Hilfen. Ursprünglich sollte die Reform Kindern mit Behinderung und ihren Eltern diesen Zugang erleichtern, weil bislang je nach Behinderung unterschiedliche Ämter zuständig sind. Nach Einwänden mehrerer Länder und Kommunen sieht der Entwurf laut Beitrag nur noch eine Experimentierklausel vor: Zugelassene Kommunen könnten erproben, ob das Jugendamt künftig für alle Hilfen zuständig sein soll.
Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, kritisierte, betroffene Familien würden dadurch weiterhin von einem Amt zum nächsten geschickt.
Kurz zusammengefasst
- Der Bundestag berät eine Reform der Kinder- und Jugendhilfe mit neuen Regeln für Schulassistenzen
- Familienministerin Karin Prien will Pool-Lösungen zur Regel machen, Einzelassistenzen aber bei individuellem Bedarf sichern
- Eine zentrale Zuständigkeit der Jugendämter soll nur kommunal erprobt werden; Jürgen Dusel kritisiert weiter weite Amtswege
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