Die deutsche Regierung will, dass Großbritannien seine Zölle auf chinesische Elektroautos erhöht. Im Gegenzug könnte London nach der Position Berlins einen Schutz vor geplanten „Made in Europe“-Regeln erhalten, berichtete POLITICO Europe unter Berufung auf eine mit den Gesprächen vertraute Person.
Die Maßnahme würde nach Einschätzung der deutschen Regierung zeigen, dass Großbritannien beim Handel Gegenseitigkeit wahre. Zugleich könne sie Vorwürfe anderer EU-Mitgliedstaaten entkräften, London wolle sich die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft gezielt herausgreifen. Die Quelle äußerte sich anonym zu den Gesprächen hinter verschlossenen Türen.
Der britische Premierminister Andy Burnham traf diese Woche bei seinem ersten offiziellen Besuch in Deutschland den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz. Beide wollten über Möglichkeiten für die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU sprechen. Burnham hatte eine Rückkehr des Vereinigten Königreichs in die EU erstmals seit einem Jahrzehnt wieder auf die politische Tagesordnung gesetzt.
Andere Länder wie Frankreich hätten demnach härtere Positionen vertreten.
Die EU arbeitet an neuen „Made in Europe“-Regeln. Sie sollen europäische Hersteller gegenüber Unternehmen außerhalb des Staatenbundes bevorzugen und richten sich als Reaktion auf Handelspraktiken von Wettbewerbern wie China und den USA. Großbritannien befürchtet Auswirkungen auf seine Unternehmen, insbesondere auf die Autoindustrie, und will von Brüssel Zusicherungen für eine Ausnahme.
Nach der deutschen Position könnten solche Zusicherungen davon abhängen, dass Großbritannien die EU-Handelspolitik gegenüber chinesischen Elektroautos übernimmt. Die deutsche Autoindustrie steht laut dem Bericht seit einigen Jahren unter starkem Wettbewerbsdruck durch chinesische Importe.
Der Industriekommissar Stéphane Séjourné habe China eine gezielte Strategie mit staatlichen Zuschüssen von 10.000 Euro pro Fahrzeug vorgeworfen.
Der britische Handelsminister Jonathan Reynolds sagte, seine Regierung überprüfe die Zölle weiterhin und befasse sich damit besonders intensiv. Unterschiedliche Teile der britischen Branche hätten unterschiedliche Erwartungen an die Regierungspolitik, habe Reynolds erklärt.
Der britische Minister für die Beziehungen zu Europa, Hamish Falconer, zeigte sich Berichten über Zölle als Bedingung für Ausnahmen von den „Made in Europe“-Regeln zufolge überrascht. Eine solche Bedingung sei nicht Gegenstand der Gespräche, die er mit seinen europäischen Amtskollegen führe.
Höhere britische Zölle könnten die Beziehungen zu Peking belasten, das die Politik als ernstes Problem bezeichnet habe. Zudem würden Elektroautos auf dem britischen Markt teurer, was es der Regierung erschweren könnte, ihre Ziele zur Verringerung der CO₂-Emissionen zu erreichen.
Kurz zusammengefasst
- Berlin drängt London zu höheren Zöllen auf chinesische Elektroautos und stellt dafür Schutz vor „Made in Europe“-Regeln in Aussicht
- Großbritannien prüft die Zölle weiter; Minister Hamish Falconer sagt, eine solche Bedingung sei nicht Teil der Gespräche
- Höhere Zölle könnten China verärgern, Elektroautos verteuern und britische CO₂-Ziele erschweren
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