Die SPÖ hat Eva-Maria Holzleitner und Philip Kucher am Donnerstag zu geschäftsführenden Parteichefs gemacht. Der Vorstand habe den Beschluss einstimmig gefasst, berichtete die Salzburger Nachrichten. Finanzminister Markus Marterbauer soll mit Jahresbeginn 2027 das Vizekanzleramt übernehmen.
Marterbauer nahm wegen eines Auslandstreffens nicht persönlich an den Sitzungen von Präsidium und Vorstand teil. Ein Wahlparteitag soll im ersten Quartal des kommenden Jahres stattfinden.
Für den Parteivorsitz gibt es bisher keine Kandidaturen. Auch zur weiteren Rolle des scheidenden Parteichefs Andreas Babler legte der Vorstand nichts fest. Babler hatte vor wenigen Tagen erklärt, jedenfalls Minister bleiben zu wollen. Nun habe er ebenso wie mehrere Vorstandsmitglieder darauf verwiesen, es sei üblich, dass sich der Vizekanzler sein Team aussuche.
Holzleitner und Kucher sollen die Parteigeschäfte zunächst als Übergangslösung führen. Holzleitner habe vor dem Präsidium von einem Tag der Einigkeit gesprochen. Kucher habe erklärt, die Menschen hätten genug von der jahrelangen Debatte über Posten; nun gebe es einen geordneten Neustart.
An den Sitzungen der Parteigremien nahmen zuletzt die meisten Landesvorsitzenden nur in Ausnahmefällen teil. Am Sonntag sei eine Verbesserung zugesagt worden. Bei der Sitzung am Donnerstag fehlten nach Angaben des Berichts nur Salzburgs Landeschef Peter Eder und der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil entschuldigt. Das Burgenland war im Präsidium durch Klubchef Roland Fürst vertreten.
Fürst äußerte sich nicht inhaltlich zur Sitzung. Er habe lediglich gehofft, dass es diesmal keine veganen Grammelknödel gebe. In den vergangenen Tagen hatte es aus den Ländern Unmut über ein Video Bablers für die Mitglieder gegeben. Darin hatte er angekündigt, auf Wunsch Marterbauers als Minister weiterarbeiten zu wollen.
Danach werde Marterbauer sein Team auswählen. Bablers Staatssekretärin Michaela Schmidt erklärte, sie werde ihre Funktion als Regierungskoordinatorin weiter ausüben.
Mehrere Landesparteichefs äußerten sich nach der Vorstandssitzung positiv. Der steirische Parteichef Maximilian Lercher erklärte, der erste Schritt sei gemacht. Hergovich und Lercher berichteten, Bablers künftige Rolle sei kein Thema gewesen.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sagte, Marterbauer werde sein Team selbst aussuchen und sei zuversichtlich, dass der Zeitplan eingehalten werden könne. Auf die Frage nach Alternativen verwies Ludwig auf einen guten Plan A.
Eine Lazarsfeld-Umfrage für oe24 sah die SPÖ bei 14 Prozent und vor den Grünen mit zwölf Prozent. Mit Marterbauer an der Spitze würde die SPÖ laut dieser Umfrage 16 Prozent erreichen.
Holzleitner und Kucher brachten die Werte mit den jahrelangen innerparteilichen Auseinandersetzungen in Verbindung. Diese hätten die sozialdemokratischen Inhalte in den Hintergrund gedrängt. Fürst bezeichnete die Ergebnisse als bitter. Oberösterreichs Landesvorsitzender Martin Winkler sagte, solche Momentaufnahmen spornten die Partei an. Ludwig äußerte die Hoffnung auf eine Aufwärtsbewegung durch die Neuaufstellung.
Kurz zusammengefasst
- Eva-Maria Holzleitner und Philip Kucher führen die SPÖ vorerst als einstimmig bestimmte geschäftsführende Parteichefs
- Markus Marterbauer soll Anfang 2027 Vizekanzler werden; ein Wahlparteitag ist für das erste Quartal 2027 geplant
- Eine Lazarsfeld-Umfrage sieht die SPÖ bei 14 Prozent, mit Marterbauer an der Spitze bei 16 Prozent
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