Gerhard Schröder sitzt seit Kurzem im Aufsichtsrat des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus. Bei einem Besuch in Moskau trat der frühere Bundeskanzler in einer Filiale des Unternehmens auf, wie Spiegel Online berichtete.
Schröder sagte, er habe nach der Volksschule Einzelhandelskaufmann gelernt und sei deshalb ein Kollege. Die Mitarbeiter würden, so Schröder, die Interessen des eigenen Unternehmens im Blick behalten und die Nerven bewahren.
Die SPIEGEL-Korrespondentin Christina Hebel berichtete, westliche Unternehmen in Russland seien zuletzt unter Druck geraten. Töchter des deutschen Konzerns Metro und der Schweizer Unternehmensgruppe Nestlé seien quasi zwangsenteignet worden. Aus Moskauer Wirtschaftskreisen höre sie, Schröder sei wegen seiner guten Kontakte zu Wladimir Putin geholt worden, um dem Unternehmen einen gewissen Schutz zu bieten.
Seit Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine würden sich russische Geschäftsleute westliche Unternehmen, deren Staaten die Ukraine unterstützten, zu Spottpreisen sichern, sagte Hebel. Es gehe dabei um eine Umverteilung der Unternehmen, die noch in Russland tätig seien.
Globus firmiert in Russland weiterhin unter der deutschen Marke. Das russische Geschäft sei jedoch bereits vom deutschen Mutterkonzern abgetrennt worden, berichtete Hebel. Das Unternehmen habe gezielt Bilder verbreiten lassen, auf denen Schröder in einer Weste durch eine Filiale gehe und im Kreis der Mitarbeiter auftrete.
Nach Einschätzung Hebels zeigten die Bilder den Druck auf westliche Unternehmen und die Angst vor weiteren Enteignungen. Ob Schröder eine Übernahme von Globus in Russland langfristig verhindern könne, bezweifle sie.
Schröder hatte sich als Bundeskanzler für eine enge Zusammenarbeit mit Russland eingesetzt und die Nordstream-Pipeline gefördert. Er war Mitglied der Aufsichtsräte des staatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft und von Töchtern des Gasunternehmens Gazprom. Diese blieben erfolglos.
Kommentare (0)