Im September hätten vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen die jemenitische Insel Perim eingenommen, berichtete DW Africa. Die Insel liegt an der schmalsten Stelle der Meerenge Bab al-Mandab, die den südlichen Zugang zum Roten Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Djibouti und Äthiopien liegen rund 20 Kilometer beziehungsweise 20 Flugminuten entfernt.
Anfang Oktober hätten die jemenitischen Streitkräfte und ihre saudischen Verbündeten eine Gegenoffensive gestartet. Die Huthi feuerten seit Beginn des Gaza-Kriegs im Jahr 2023 auf Handelsschiffe. Sollte die Meerenge unpassierbar werden, müssten Reedereien auf Umwege durch den Suezkanal oder um die Südspitze Afrikas ausweichen. Die zusätzlichen Kosten würden an die Verbraucher weitergegeben.
Djibouti spürt die Folgen auch durch die Fluchtbewegung aus dem Jemen. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR seien seit dem 10. September mindestens 3.700 Flüchtlinge nach Djibouti gelangt. Die meisten Menschen, die die Region Obock erreicht hätten, seien Frauen, Kinder und ältere Menschen. Das UNHCR bereite sich zudem darauf vor, weitere 10.000 Menschen zu unterstützen, die noch nicht nach Djibouti überquert hätten.
Obock liegt an der Grenze zu Eritrea und ist äußerst trocken. Es gebe dort kaum Wasser und überhaupt kein Grundwasser, sagte die UNDP-Vertreterin für Djibouti, Alessandra Roccasalvo. Das Wasser müsse vollständig entsalzt werden.
Djibouti liegt am Eingang zum Roten Meer und dient als Handels- und Militärstützpunkt. Die Vereinigten Staaten, China, Frankreich, Italien und Japan betreiben dort Militärbasen. Die zivilen Häfen des Landes werden als Umschlagplätze für internationale Fracht, Waren und Container genutzt. Bisher hätten die Vorstöße der Huthi nicht zu leeren Docks geführt.
Schiffe müssten inzwischen beinahe doppelt so hohe Prämien zahlen. Viele Reedereien wollten den Suezkanal und das Rote Meer nicht mehr durchqueren. Dadurch gelangten weniger Mittel ins Land, während Baumaterialien wie Zement und Rohstoffe benötigt würden.
Äthiopien wickelt etwa 95 Prozent seines Ein- und Exports über die Häfen Djiboutis ab. Höhere Preise infolge gestiegener Versicherungsprämien für Kriegsrisiken träfen das Land daher besonders stark. Äthiopien habe zeitweise bereits Treibstoff rationieren müssen und wolle seine Abhängigkeit von Importen langfristig unter anderem durch mit heimischer Elektrizität betriebene Fahrzeuge verringern.
Zusätzliche Risiken für die Handelsverbindung gingen von den Kämpfen in der nördlichen äthiopischen Region Tigray aus. Dort brachen am 23. September Gefechte aus. Die äthiopischen nationalen Verteidigungskräfte hätten nach Berichten Geländegewinne gegen eine von Tigray geführte Rebellenkoalition erzielt. Diese sei zeitweise in Richtung des wichtigsten Transportkorridors zwischen den Häfen Djiboutis und dem äthiopischen Hinterland vorgedrungen. Beobachter zufolge habe sich die Gefahr einer weiteren Handelsblockade dadurch verringert. Solange der Konflikt ungelöst bleibe, könne sich die Lage jedoch wieder verschlechtern.
Äthiopien und Eritrea haben ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Experten befürchten zudem eine zunehmende Zusammenarbeit der schiitischen Huthi mit der in Somalia ansässigen sunnitischen Terrorgruppe Al-Shabaab. Beide Gruppen seien ideologisch grundverschieden, verbinde aber unter anderem ihre Feindschaft gegenüber Israel und den USA.
Die drei afrikanischen nichtständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats – die Demokratische Republik Kongo, Liberia und Somalia – hätten bei einem Dringlichkeitstreffen im September freie Schifffahrtswege gefordert. Sie unterstützten außerdem eine Lösung der Jemen-Krise unter Führung der Vereinten Nationen.
Von Verlagerungen im Schiffsverkehr könnten auch afrikanische Häfen profitieren. Häfen in Kenia und Tansania würden für den Umschlag zunehmend attraktiver. Die Dangote Group in Nigeria habe zudem einen Börsengang und eine neue Raffinerie in Kenia angekündigt.
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