Die mögliche Schließung des Audi-Werks in Neckarsulm belastet die Stadt und ihre Beschäftigten. Der Standort mit über 15.000 Mitarbeitern muss bis Ende Juni 2027 ein neues Konzept entwickeln und die Kosten senken. Andernfalls drohe Volkswagen, die Produktion einzustellen, berichtet Zeit Online.
Wegen der schwachen Nachfrage nach VW-Autos stehen neben Neckarsulm auch die Werke in Emden, Zwickau und Hannover auf der Kippe. Audi gehört zum Volkswagen-Konzern.
Audi-Chef Gernot Döllner teilte bei einer Betriebsversammlung mit, das Unternehmen habe die sogenannte Schlechtwetterklausel aktiviert. Die 2019 vereinbarte Regelung verpflichtet Geschäftsführung und Betriebsrat zu Verhandlungen über Stellenabbau und Arbeitsbedingungen, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern. Auch Volkswagen-Chef Oliver Blume nahm an der Versammlung teil.
Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig sagte, die Zukunftsängste seien in der Stadt deutlich zu spüren. Besonders junge Menschen und ihre Eltern wendeten sich mit Sorgen an ihn. Nachwuchsingenieure hätten inzwischen kaum noch eine Chance, in den regionalen Arbeitsmarkt einzusteigen, erklärte der SPD-Politiker.
Eine Schließung wäre nach Hertwigs Einschätzung ein schwerer Schlag für Neckarsulm. 15.000 Arbeitsplätze und 15.000 Familien wären direkt betroffen. Viele Menschen könnten ihre Hauskredite nicht mehr abbezahlen, weniger in der Stadt einkaufen und seltener Restaurants besuchen. Bäcker, Metzger und Handwerker könnten dadurch in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.
Die Folgen würden nach Angaben von Wirtschaftsexperten über die Stadt hinausreichen. Sollte Audi das Werk tatsächlich schließen, könnten etwa 50.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Rund 1.000 Zulieferer seien von der Produktion abhängig.
Das Werk gilt als eine der modernsten Autofabriken Deutschlands. Dennoch erschwerten kostengünstigere chinesische Fahrzeuge und die Importzölle von Donald Trump die Lage.
Der Neckarsulmer Betriebsratsvorsitzende Alexander Reinhart hält Einschnitte für notwendig. Das Werk müsse bei den Kosten wettbewerbsfähiger werden, sagte der gelernte Mechatroniker, der vor über 20 Jahren als Auszubildender bei Audi begonnen habe. Auch grundlegende Arbeitsbedingungen müssten möglicherweise neu verhandelt werden.
Besonders wettbewerbsfähige europäische Werke kämen auf rund 3.000 Euro. Bereinigt um Stückzahl und Fahrzeugklasse betrage der Nachteil weiterhin rund 2.000 Euro je Auto. Reinhart fordert deshalb ein elektrisches Volumenmodell und eine Überprüfung gewachsener Strukturen und Prozesse.
Eine Umnutzung des Werks für die Waffenproduktion, wie sie für ein ehemaliges Volkswagen-Werk in Osnabrück vorgesehen sei, stehe in Neckarsulm derzeit nicht zur Debatte. Der Fokus liege auf der Fahrzeugproduktion. Die Leiterin des Motorradmuseums der Stadt, Natalie Scheerle-Walz, sagte, mit dem Ende von Audi würde ein Teil der Identität und Heimat der Bevölkerung wegbrechen. Die Verbindung zur Mobilität reiche bis zum Vorgängerbetrieb NSU zurück, der zunächst Strickmaschinen und später Fahrräder, Motorräder und Automobile hergestellt habe.
Kommentare (0)