Beamte der US-Einwanderungsbehörde ICE sind in den USA 2026 an mindestens sieben Schusswaffeneinsätzen beteiligt gewesen. Dabei starben mindestens vier Menschen, darunter die US-Bürger Renée Good und Alex Pretti. Am Donnerstag kam in New York ein weiterer Fall hinzu, berichtete El País América.
Der Bürgermeister von New York, der Demokrat Zohran Mamdani, teilte mit, ein ICE-Beamter habe auf einen Mann geschossen, der mit einem fünfjährigen Kind in seinem Auto unterwegs gewesen sei. Mamdani bezeichnete den Vorfall als inakzeptabel und äußerst schwerwiegend. Das Heimatschutzministerium DHS bestätigte, dass es sich um einen Mann dominikanischer Herkunft handle. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden und lebe. Der Vorfall werde untersucht.
Good war 37 Jahre alt und Mutter von drei Kindern. Sie nahm in Minneapolis an einer Protestaktion gegen die Präsenz von ICE und der Grenzschutzbehörde teil. Nach Angaben sozialer Netzwerke habe sie mit ihrem Wagen eine Straße blockiert und gehupt. Ein Beamter habe sie aufgefordert, das Fahrzeug zu verlassen. Als sie langsam weggefahren sei, habe ein Beamter durch die Windschutzscheibe und anschließend durch das geöffnete Seitenfenster geschossen. Eine Kugel habe Good am Kopf getroffen. Der Beamte sei als Jonathan Ross identifiziert worden.
Das DHS stufte den Vorfall als „inländischen Terrorismus“ ein. Die damalige Heimatschutzministerin Kristi Noem habe Good vorgeworfen, die Beamten belästigt zu haben, und den Einsatz tödlicher Gewalt verteidigt. Ross habe sich bedroht gefühlt. Goods Familie verklagte die US-Regierung und mehrere Beamte. Abgeordnete fordern nach Angaben des Berichts weiterhin das Ergebnis der Untersuchung.
Der Fall ist zugleich der einzige, in dem ein ICE-Beamter vor Gericht gestellt wurde. Christian Castro, 52, soll am 14. Jänner in Minneapolis auf den Venezolaner Julio César Sosa geschossen haben. Castro und ein weiterer Beamter hätten einen Migranten verfolgt, den sie mit einem anderen hispanischen Mann verwechselt hätten. Castro habe durch eine Tür geschossen und Sosa am Bein verletzt. Dieselbe Kugel sei anschließend in der Wand eines Kinderzimmers stecken geblieben.
Castro habe den Ermittlern erklärt, Sosa und der gesuchte Mann hätten ihn bei dem Einsatz mit einer Schaufel und einem Besen angegriffen. Überwachungsvideos hätten dieser Darstellung widersprochen. Ein Richter in Minnesota sah laut Gerichtsunterlagen ausreichende Grundlage für vier Anklagepunkte wegen Angriffs mit einer Schusswaffe sowie für eine Übertretung wegen einer Falschaussage gegenüber Vorgesetzten. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Pretti arbeitete als Krankenpfleger auf einer Intensivstation in Minneapolis und beteiligte sich ebenfalls an Protesten gegen Festnahmen von Migranten. Ein im Internet verbreitetes Video zeigte laut Bericht mehrere Beamte, die ihn zu Boden brachten; dabei sei ein Schuss zu hören gewesen. Pretti starb. Das DHS erklärte, er habe eine Schusswaffe und zwei Magazine bei sich getragen. Das Weiße Haus veröffentlichte später ein Foto der mutmaßlichen Waffe, jedoch kein Bild, auf dem Pretti sie in der Hand halte oder auf Beamte richte. Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, forderte Erklärungen und verurteilte den Einsatz.
In Houston wurde Lorenzo S. getötet. Er hatte am Morgen seinen Bruder Víctor und zwei weitere Männer in einem Kleinbus zu einer Baustelle gebracht. Nach einer Verfolgung hielt er an der Canal Street an. Ein Beamter habe sich dem Fahrzeug genähert, ihn zum Anhalten aufgefordert und nahezu sofort durch das Fenster des Beifahrersitzes geschossen. S. starb noch am selben Tag. Die drei anderen Insassen kamen zunächst in ICE-Gewahrsam und wurden später über Habeas-Corpus-Anträge freigelassen. Ein Geschworenengericht im Bezirk Harris hörte die drei Überlebenden an und soll über eine Anklage entscheiden.
Die US-Regierung erklärte, die Beamten hätten in Notwehr gehandelt.
Der 28-jährige Venezolaner Wilber G. wurde bei einem ICE-Einsatz in Austin in den Rücken geschossen, nachdem er eine Essensbestellung für seine Arbeit mit der App DoorDash abgeholt hatte. Das DHS erklärte, er habe wegen einer rechtskräftigen Abschiebungsanordnung festgenommen werden sollen. Seine Anwältin entgegnete, die Anordnung sei wegen eines Gerichtsfehlers in seiner Abwesenheit erlassen worden. Bundes- und lokale Behörden untersuchen den Einsatz. G. wurde nach dem Krankenhausaufenthalt wieder entlassen.
Kommentare (0)