Bestimmte Krebsarten werden bei Menschen unter 50 Jahren zunehmend diagnostiziert.
In allen drei Ländern stieg die Zahl der Darmkrebsdiagnosen in dieser Altersgruppe. Auch Nierenkrebs trat häufiger auf. Bei Frauen nahmen unter anderem Brust- und Gebärmutterkrebs zu, bei Männern je nach Land Bauchspeicheldrüsen-, Leber- oder Prostatakrebs.
Besonders stark war der Anstieg in Großbritannien. Bei Frauen stieg sie von 3,8 auf 8,3. Lungenkrebs wurde bei jüngeren Männern und Frauen dagegen seltener festgestellt.
Trotz der Entwicklung bleibe höheres Alter einer der wichtigsten Risikofaktoren, heißt es in der WCRF-Auswertung. Die große Mehrheit der Tumoren trete weiterhin nach dem 50. Lebensjahr auf. Giota Mitrou, Forschungs- und Politikdirektorin des WCRF, bezeichnete die veränderten Muster in jüngeren Generationen als besorgniserregend und forderte, Forschung und Krebsprävention darauf auszurichten.
Eine eindeutige Ursache für den internationalen Trend gibt es laut WCRF bislang nicht. Als mögliche Faktoren gelten Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkohol, Rauchen sowie Ernährungsweisen mit viel rotem und verarbeitetem Fleisch und wenig Ballaststoffen. Auch Luft- und Wasserverschmutzung, bestimmte Chemikalien und Veränderungen des Darmmikrobioms werden untersucht.
Eine bessere Diagnostik könnte ebenfalls einen Teil des Anstiegs erklären. Nach Einschätzung des WCRF reicht das jedoch nicht als alleinige Erklärung aus, weil sich bei einigen Krebsarten auch die Sterberaten verändert haben.
Für Deutschland zeichnet die Auswertung der Krebsregister ein weniger starkes Bild. Bei allen Tumorerkrankungen vor dem 50. Gleichzeitig sank die Krebssterblichkeit unter 50-Jähriger deutlich.
Beim Darmkrebs zeigt sich der internationale Trend jedoch auch in Deutschland. Eine Untersuchung von mehr als 28.000 Fällen bei 20- bis 49-Jährigen aus zehn Krebsregistern ergab für den Zeitraum von 2003 bis 2023 einen jährlichen Anstieg der Erkrankungsrate um durchschnittlich 0,8 Prozent bei Männern und 0,9 Prozent bei Frauen. Für die 40- bis 49-Jährigen blieben die Raten weitgehend stabil.
Volker Arndt vom Deutschen Krebsforschungszentrum sagte laut einer Mitteilung, der Anstieg bei jungen Erwachsenen sei real, falle in Deutschland aber bislang deutlich moderater aus als in den USA. Neben Lebensstil und Ernährung könne auch die Darmflora eine Rolle spielen. Zudem könnten frühere und bessere Diagnosen einen Teil des Anstiegs erklären.
Darmkrebs vor dem 50. Für eine deutliche Ausweitung des allgemeinen Screenings auf jüngere Altersgruppen sehen die Forschenden derzeit keinen Anlass. Bei familiärer Vorbelastung gilt eine andere Einschätzung; Blut im Stuhl, anhaltende Veränderungen der Verdauung und ungeklärter Gewichtsverlust sollten unabhängig vom Alter ärztlich abgeklärt werden.
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