Das Präfekturparlament von Okinawa hat am Freitag eine Überprüfung des Abkommens über die Stationierung von US-Streitkräften auf der japanischen Insel gefordert. Anlass ist die Festnahme eines US-Marines, dem vorgeworfen wird, eine Bewohnerin beraubt und getötet zu haben, wie Al Jazeera English berichtet.
Die Abgeordneten beschlossen eine Resolution, in der eine Anpassung des japanisch-amerikanischen Stationierungsabkommens verlangt werde. Ziel sei es, das US-Militär zu Maßnahmen gegen solche Vorfälle zu bewegen. Die Resolution soll an die US-Botschaft geschickt werden. Eine Erklärung mit derselben Forderung richtete das Parlament an die japanische Regierung.
Ryotaro Odo, Vorsitzender des Sonderausschusses des Parlaments für US-Militärbasen, sagte, das US-Militär funktioniere „nicht als Organisation“. Er verwies dabei auf Mängel bei Ausbildung und Disziplin. Odo bezeichnete die Tötung als äußerst verwerflich und abscheulich. Das Militär müsse mit den Ermittlern zusammenarbeiten und die Verantwortlichen disziplinarisch belangen.
Einige Abgeordnete stimmten gegen die Resolution, weil sie nicht die Absetzung des Kommandeurs der US-Streitkräfte auf Okinawa gefordert habe, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.
Dem 20-jährigen Lance Corporal Devin Jacob Ballard wird vorgeworfen, am Samstag in einem Hotel in Naha die 39-jährige Anna Yagi getötet zu haben. Ballard habe die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Fall löste Demonstrationen in Tokio und auf Okinawa aus.
Auf der Insel sind die meisten der 54.000 in Japan stationierten US-Soldaten untergebracht. Vergewaltigungen, Körperverletzungen, Fahrerflucht und Alkohol am Steuer durch US-Militärangehörige hätten immer wieder Proteste ausgelöst.
Das US-Militär setzte seine Einsätze ab Mittwoch für 48 Stunden aus. Außerdem verhängte es ab Freitag eine 30-tägige Ausgangssperre von Mitternacht bis 5 Uhr morgens.
Die japanische Regierung bestellte den US-Botschafter und den Befehlshaber der US-Streitkräfte auf Okinawa ein, um gegen den Vorfall zu protestieren. Premierministerin Sanae Takaichi verurteilte das Verbrechen als abscheulich.
Okinawa stand von 1945 bis 1972 unter US-Kontrolle und beherbergt weiterhin zahlreiche ausschließlich von US-Streitkräften genutzte Einrichtungen. Das Präfekturparlament hatte 2024 nach einer Reihe bekannt gewordener sexueller Übergriffe durch US-Soldaten bereits eine ähnliche Resolution verabschiedet. Damals hatten auch die Kommunalparlamente von Naha, Ginowan, Miyakojima und Motobu protestiert.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
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