In Wien sind zwei Ukrainer wegen des Verdachts auf Spionage in Untersuchungshaft genommen worden. Das Landesgericht verhängte die U-Haft am Mittwoch über die mutmaßlichen Mitarbeiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes. Wie die Kleine Zeitung berichtet, gilt die Haft vorerst bis 21. Oktober.
Als Haftgründe nannte Gerichtssprecherin Christina Salzborn Tatbegehungs-, Verdunkelungs- und Fluchtgefahr. Die Ermittlungen führt die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN).
Die Behörden teilten mit, dass die Ermittlungen noch liefen. Gegenstand der Erhebungen sei unter anderem, seit wann sich die beiden Verdächtigen in Österreich aufgehalten hätten und wie die Strafverfolgungsbehörden auf sie aufmerksam geworden seien.
Am Donnerstag nahmen die Behörden zwei weitere Männer vorübergehend fest: den ukrainischen Investigativjournalisten Mychajlo Tkatsch und den Kameramann Jaroslaw Bondarenko. Nach Angaben von Nina Bussek, der Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, habe sich im Zuge anderer Ermittlungen ein Verdacht gegen die beiden ergeben, dieser habe sich aber nicht erhärtet.
Tkatsch kam nach Angaben der Chefredakteurin der „Ukrajinska Prawda“, Sewhil Musajewa, am Freitag um 4.00 Uhr nach zwölf Stunden im Behördengewahrsam frei. Seine Vernehmung habe erst in den Nachtstunden begonnen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde seine Enthaftung am Freitag kurz vor 15.00 Uhr in die Wege geleitet.
Tkatsch leitet das Investigativressort der „Ukrajinska Prawda“ und hatte zu dem geflohenen ukrainischen Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko recherchiert. Die Zeitung teilte mit, Tkatsch habe sich seit mehr als zehn Jahren mit Recherchen zu führenden ukrainischen Politikern und politisch einflussreichen Geschäftsleuten beschäftigt. Zuletzt habe er den Aufenthaltsort Krawtschenkos untersucht.
Krawtschenko war nach Angaben von Reporter ohne Grenzen nach Korruptionsvorwürfen von seinem Amt zurückgetreten. Die Organisation erklärte, Tkatsch habe öffentlich gemacht, dass Krawtschenko und seine Frau sich in Wien niedergelassen haben sollen. RSF-Generalsekretär Martin Wassermair sprach von einem schwerwiegenden Vorgang, der lückenlose Aufklärung verlange. Auch Jeanne Calvalier, Leiterin des RSF-Büros für Osteuropa, äußerte sich besorgt.
RSF-Präsident Fritz Hausjell forderte Transparenz und den Schutz journalistischer Tätigkeit. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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