Die Verteidigungsminister Frankreichs und Deutschlands haben das gemeinsame Panzerprojekt Main Ground Combat System (MGCS) am Freitag als weiterhin gültig bezeichnet. Catherine Vautrin und Boris Pistorius äußerten sich nahe Bordeaux, einen Tag nachdem der französische Generalstabschef Fabien Mandon erklärt hatte, das Vorhaben sei wegen Deutschlands ins Stocken geraten. Das berichtete POLITICO Europe.
Vautrin sagte, das MGCS bleibe ein relevantes Projekt. Pistorius habe ihr zugestimmt und erklärt, das Projekt sei weder beendet noch aufgegeben worden. Es sei vielmehr ein Kernvorhaben der deutsch-französischen Zusammenarbeit bei Landsystemen.
Mandon hatte am Donnerstag vor Abgeordneten gesagt, Deutschland habe sich aus dem Projekt zurückgezogen. Seine Äußerung fiel während eines Staatsbesuchs des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in Frankreich.
Am MGCS sind KNDS France, KNDS Germany, Rheinmetall und Thales beteiligt. Das Vorhaben ist seit Jahren von Verzögerungen, Streit zwischen den beteiligten Unternehmen und politischen Spannungen geprägt. POLITICO hatte im Juni berichtet, Frankreich und Deutschland würden höchstwahrscheinlich getrennte Panzer bauen.
Pistorius erklärte, beide Länder würden weiterhin bei unbemannten Systemen und automatisierter Datenverarbeitung zusammenarbeiten. Das Projekt werde nicht das gleiche Ende nehmen wie das Future Combat Air System, ein gemeinsames Programm für ein Kampfflugzeug der nächsten Generation, das vor dem Sommer gescheitert sei.
Entscheidend sei, dass beide Länder aus ihren Fehlern lernten, sagte Pistorius. Das MGCS sei daher keineswegs gefährdet und bleibe ein wichtiges Zukunftsprojekt für die beiden Staaten und ihre Streitkräfte.
Der Streit verdeutlicht nach Einschätzung von POLITICO Europe die Spannungen in den Verteidigungsbeziehungen zwischen Paris und Berlin. Eine wachsende Zahl französischer Abgeordneter fordert demnach, dass Frankreich nach anderen Partnern sucht. Ein mit Verteidigungspolitik befasster französischer Abgeordneter sagte anonym, die Verteidigungskooperation mit Deutschland befinde sich auf einem Tiefpunkt, weil Deutschland eigene Wege gehe.
Kommentare (0)