Das Büro des UNO-Menschenrechtsbeauftragten Volker Türk hat die geplante Übertragung der Hinrichtung von Nidal Hasan im Livestream als Verstoß gegen das absolute Folterverbot bezeichnet, wie ORF News berichtete. Eine Liveübertragung sei einer öffentlichen Hinrichtung gleichzusetzen und stelle eine grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung dar, hieß es unter Berufung auf die UNO-Anti-Folter-Konvention.
Der Vorgang werfe auch die Frage nach Zugangsbeschränkungen auf, damit etwa Kinder die Hinrichtung nicht verfolgen könnten. Der demokratische US-Senator Chris Murphy habe die Ankündigung in einem CNN-Interview als widerlich bezeichnet. Öffentliche Hinrichtungen seien mittelalterlich und erinnerten an Vorgänge, die die USA bei terroristischen Gruppen verabscheuten, sagte er.
Auch der republikanische Senator Thom Tillis kritisierte den Plan. Eine öffentliche Erschießung sei mehr als ekelhaft und gehöre zu den Praktiken unterdrückerischer Diktaturen wie im Iran oder in Afghanistan. Sie solle nicht in den USA stattfinden, schrieb Tillis auf der Plattform X. Paul Coakley, der Präsident der US-amerikanischen Bischofskonferenz, erklärte gegenüber Vatican News, er sei schockiert und zutiefst betrübt.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte angekündigt, Hasan solle von einem Erschießungskommando mit Soldaten hingerichtet werden. Die Öffentlichkeit solle zusehen können, damit die Menschen verstünden, dass solche Angriffe ernste Folgen hätten. US-Präsident Donald Trump genehmigte das Erschießungskommando laut dem Bericht Anfang der Woche.
Hasan, ein früherer Psychiater der US-Armee, hatte 2009 auf einem Militärstützpunkt ein Massaker verübt. Dabei wurden 13 Menschen getötet und 32 verletzt. Nach Angaben der New York Times erklärte Hasan, er habe den Angriff im Namen des Dschihad begangen, und bezeichnete die Kriege in Afghanistan und im Irak als illegal.
Ein Militärgericht verurteilte Hasan 2013 zum Tode. Er habe keine Reue gezeigt und erklärt, er habe bei dem Anschlag selbst sterben und als Märtyrer gelten wollen. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist Hasan einer von vier Todeskandidaten im Militärjustizsystem. Er könne sein Todesurteil noch vor Bundesgerichten anfechten, wodurch sich die Hinrichtung auf unbestimmte Zeit verzögern könnte.
Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung fand 1936 in Kentucky statt, als ein Mann vor Tausenden Schaulustigen gehängt wurde.
Nach Angaben von Amnesty International gab es im vergangenen Jahr mindestens 17 öffentliche Hinrichtungen: sechs in Afghanistan und elf im Iran.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
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