Vier russische Militärsatelliten haben sich im Mai einem kommerziellen Radarsatelliten des finnischen Unternehmens ICEYE genähert. Deutschlands Raumfahrtkommandeur Generalmajor Michael Traut warnte, die dabei gezeigten Fähigkeiten könnten auch kommerzielle Satellitenkonstellationen wie Starlink beeinträchtigen, berichtete Arab News unter Berufung auf Reuters.
Nach Angaben der US Space Force handelte es sich um die Satelliten Cosmos 2610 bis 2613. ICEYE bestätigte, dass einer seiner Satelliten betroffen gewesen sei. Der Satellit liefere Bilddaten zur Lageaufklärung auf dem Schlachtfeld.
Traut sagte, die russischen Raumfahrzeuge hätten den ICEYE-Satelliten verfolgt. Russland demonstriere damit Möglichkeiten, die bei einem direkten Einsatz gegen eine große Konstellation wie Starlink deren Lebensdauer und die Qualität der Dienste für alle Nutzer beeinträchtigen könnten. Eine Störung sei auch ohne direkten Angriff möglich. Das bereite ihm große Sorgen, sagte Traut.
Der deutsche General verwies auf mögliche Taktiken unterhalb der Schwelle eines offenen Angriffs. Als Szenario nannte er einen russischen Satelliten, der in die Umlaufbahn eines Starlink-Satelliten driftete und anschließend auseinanderbräche. Die betroffenen Satelliten müssten dann möglicherweise Ausweichmanöver durchführen, die Treibstoff verbrauchten und ihre Betriebsdauer verkürzten. Ein offener Angriff auf einen Starlink-Satelliten wäre nach Trauts Einschätzung eine deutliche Eskalation.
Zwei weitere westliche Vertreter äußerten gegenüber Reuters ebenfalls Bedenken wegen der russischen Aktivitäten mit Blick auf Starlink. Russland habe die Fähigkeiten der Cosmos-Gruppe nicht offengelegt. Belinda Marchand, Chef-Wissenschaftlerin des US-Raumfahrtanalyseunternehmens Slingshot Aerospace, sagte, die Annäherung an den ICEYE-Satelliten könnte der Überwachung, der Vorbereitung künftiger Störungen oder der Demonstration eigener Fähigkeiten gedient haben.
ICEYE-Chef Rafal Modrzewski sagte, sein Unternehmen habe den Satelliten später bewegt. Daraufhin habe Russland weitere Manöver durchgeführt. Der Vorfall zeige, dass Satelliten zunehmend in die Nähe voneinander gesteuert werden könnten, um sie zu beobachten oder möglicherweise zu beschädigen. Modrzewski verwies auf die Notwendigkeit, Aktivitäten im All zu überwachen und Satelliten zu schützen.
Westliche Militärvertreter erklärten, Russlands Störungen westlicher Weltraumsysteme hätten seit dem umfassenden Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 deutlich zugenommen. Dazu gehörten bodengestützte Störsignale und das Verfolgen von Satelliten im Orbit, um Informationen zu sammeln und die Reaktion des Westens zu testen. Europäische Vertreter werfen Russland zudem eine Zunahme von Sabotagebemühungen in Europa vor, darunter Drohnen- und Brandanschläge sowie einen Plan zur Beschädigung von Unterseekabeln.
Das russische Verteidigungsministerium beantwortete Fragen zu den Satellitenaktivitäten nicht. Moskau warnte wiederholt, kommerzielle westliche Satelliten, die der Ukraine hülfen, könnten zu legitimen Vergeltungszielen werden. Sabotageaktionen in NATO-Staaten weist Russland zurück. SpaceX, Betreiber von Starlink, reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Deutschland entwickelt nach Angaben Trauts im Rahmen eines größeren Ausgabenplans zur Stärkung eigener Fähigkeiten im All Inspektionssatelliten. Zudem prüfe das Land orbitale Waffen, die feindliche Aktivitäten im Weltraum stören könnten, ohne das Ziel zu zerstören. Die deutschen Streitkräfte hätten ICEYE und ein deutsches Unternehmen außerdem mit dem Bau von Dutzenden Satelliten beauftragt, insbesondere zur Unterstützung der NATO-Ostflanke.
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