Ryanair hat Lufthansa und Air France-KLM vorgeworfen, die irische Fluggesellschaft mit einer Klage zu ihrer Eigentümerstruktur am Boden halten zu wollen. Die beiden Airlines gehören zur European Network Airlines Association (ENAA), die eine rechtliche Prüfung von Ryanairs Anteilseignern angestoßen hat, berichtete POLITICO Europe.
Ryanair-Chef Michael O’Leary sagte in Brüssel, ENAA strebe vor dem irischen High Court an, Ryanairs Lizenz auszusetzen und den Flugbetrieb zu stoppen. Der Verband bestätigte, seit Monaten die EU- und irischen Luftfahrtbehörden zu einer Untersuchung zu drängen.
Nach den EU-Regeln müssen Fluggesellschaften mehrheitlich EU-Bürgern oder in der EU ansässigen Organisationen gehören und von ihnen effektiv kontrolliert werden, um eine Betriebslizenz der EU zu erhalten. ENAA argumentiert, Ryanair erfülle diese Anforderungen nicht mehr. Die Organisation verweist auf eine Mitteilung der Airline vom März, wonach sich nur 30 Prozent ihrer Aktien im Besitz von EU-Bürgern befänden. O’Leary, der irischer Staatsbürger ist, hält vier Prozent der Aktien.
Nachdem die irische Luftfahrtbehörde die Angelegenheit offenbar nur zögerlich aufgegriffen habe, habe ENAA den Rechtsweg beschritten. Sollte Ryanair den Fall verlieren, könnte die Airline ihre Eigentümerstruktur ändern müssen. Die Betriebslizenz würde erst ausgesetzt, wenn Ryanair das Urteil nicht umsetzt.
Ryanair weist die Vorwürfe zurück. Die nicht aus der EU stammenden Anteilseigner hätten kein Stimmrecht, weshalb die Fluggesellschaft weiterhin unter Kontrolle der EU stehe, argumentiert das Unternehmen. In einer schriftlichen Stellungnahme warf Ryanair seinen Konkurrenten vor, den Wettbewerb und die Auswahl für den europäischen Luftverkehr einschränken zu wollen.
Augusto Viansson Ponte, Direktor der Londoner Unternehmensberatung Alton Aviation Consultancy, hielt die Klage für ausreichend begründet, um sie zu prüfen. Es sei aber zu früh, um zu sagen, dass Ryanair gegen die Regeln verstoße. Ein Verlust der Betriebslizenz sei zudem unwahrscheinlich.
Als ersten Schritt seien eher Korrekturmaßnahmen als eine sofortige Stilllegung zu erwarten, sagte Viansson Ponte. Ryanair könne den Kauf von Aktien durch Nicht-EU-Anteilseigner beschränken, Übertragungen an EU-Investoren erleichtern, gezielt eigene Aktien zurückkaufen oder seine lizenzierten Tochtergesellschaften umstrukturieren. Der Prozess sollte für die Airline zu bewältigen sein.
Ryanair, Lufthansa und Air France-KLM gehören trotz des Streits dem Lobbyverband Airlines for Europe (A4E) mit Sitz in Brüssel an. Die drei Unternehmen setzen sich gemeinsam für eine Reform der Air Services Regulation ein, die unter anderem die Regeln für Eigentum und Kontrolle im EU-Luftverkehr festlegt.
Die A4E-Mitglieder fordern mehr Flexibilität und Maßnahmen gegen die mit einer solchen Änderung verbundenen Risiken. Institutionelle Investoren aus ausgewählten Drittstaaten könnten dem gemeinsamen Vorschlag zufolge einen begrenzten Anteil an Aktien halten, der bei der EU-Eigentumsquote berücksichtigt würde.
Eine solche Reform würde Fluggesellschaften einen besseren Zugang zu Liquidität in diesen Märkten ermöglichen, sagte easyJet-Chef Kenton Jarvis. Sein Unternehmen soll von der US-Investmentgesellschaft Apollo übernommen werden.
O’Leary drohte bei einer A4E-Pressekonferenz, Ryanair werde den Verband verlassen, falls die Klage bis zum Jahresende nicht zurückgezogen werde. A4E erklärte anschließend, die Mitglieder könnten bei einzelnen Themen unterschiedliche Auffassungen vertreten, hätten aber ein gemeinsames Interesse an ihrer Arbeit zum Nutzen europäischer Passagiere. Lufthansa und Air France-KLM äußerten sich nicht zu O’Learys Austrittsdrohung.
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