Ein Sicherheitsexperte wertet die Tat als möglichen gezielten Angriff auf Vertreter des Staates und nicht allein als Folge eines Sorgerechtsstreits.
Ein Gericht entschied anschließend, dass die Mutter mit dem Kind in einer Einrichtung in Stade leben solle. Beide Eltern gingen juristisch dagegen vor.
Am 29. Juni kamen die Mutter, drei Sozialarbeiter der Einrichtung und drei Beschäftigte des Jugendamtes der Region Hannover zu einem Hilfeplangespräch zusammen. Der Vater Fatih Khan G. war dafür mit dem Auto aus Hannover angereist. Zuvor habe er in Berlin illegal eine Waffe gekauft, berichtete n-tv. Vier Opfer seien beim Eintreffen der Polizei bereits tot gewesen.
Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens bezeichnete die Tat später als kaltblütig. Die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol vermutete als Motiv einen Sorgerechtsstreit.
Der Jurist Mattias G. Fischer widerspricht dieser Einordnung. Der Vater sei nicht nach Stade gekommen, um sein Kind gewaltsam zurückzuholen. Nach Fischers Einschätzung habe er vielmehr sechs Menschen töten wollen. Das spreche gegen eine Tat aus dem Affekt und für einen geplanten Angriff auf staatliche Akteure.
Nach einem Bericht von Nius soll G. die Anwesenden angewiesen haben, sich hinzusetzen und ihre Hände auf den Tisch zu legen. Danach habe er sie nacheinander erschossen. Seine Partnerin habe er zuvor aus dem Raum geschickt.
G. könne zu seinem Motiv nicht mehr befragt werden, weil er sich einen Monat nach den Morden in Untersuchungshaft suizidiert habe. Nius zitierte aus einem nicht öffentlich vorliegenden Vernehmungsprotokoll eine Äußerung, die G. dort gemacht haben soll. Demnach habe er erklärt, wenn die anderen bereit seien zu töten, sei auch er bereit zu töten und getötet zu werden. Fischer zufolge könnten sich seine Angriffe dabei gegen Beschäftigte der Jugendhilfe als staatliche Vertreter gerichtet haben.
Der Sicherheitsexperte ordnet die Tat in einen von ihm beschriebenen Bereich gewaltsamer Gesetzeslosigkeit ein. Gemeint seien Menschen, die staatlich gesetzte Grenzen nicht mehr akzeptierten und nach eigenen Vorstellungen von richtig und falsch lebten. Im Fall von Stade habe G. nach Fischers Einschätzung ein Exempel statuieren wollen. Deshalb sei die Tat als Angriff auf das Rechtsstaatsprinzip und das staatliche Gewaltmonopol zu bewerten.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik unterscheidet den Angaben zufolge bislang zwischen politisch motivierter Kriminalität aus den Bereichen rechts, links, ausländische Ideologie und religiöse Ideologie. Eine fünfte Kategorie erfasst Fälle, die sich keinem dieser Bereiche zuordnen lassen. Die beiden vollendeten Tötungsdelikte wurden der Kategorie religiöse Ideologie zugeordnet. Die Morde von Stade würden nach Fischers Einschätzung in der Statistik für 2026 nicht in diesem Bereich erscheinen.
Die Zahl politisch motivierter Taten ohne Zuordnung zu einem bestimmten politischen Spektrum stieg laut dem Bericht von 5233 Fällen im Jahr 2016 auf 20.934 Fälle im Jahr 2025. Darunter seien pandemiebezogene Delikte, beschädigte Wahlplakate und bestimmte Formen von Hasskriminalität gefallen.
Fischer fordert, den Bereich gewaltsamer Gesetzeslosigkeit stärker zu untersuchen. Forschung könne dabei helfen, zugrunde liegende Prozesse zu erkennen und weitere Taten zu verhindern. Verschiedene Verfassungsschutzbehörden beobachteten bereits eine zunehmende Delegitimierung des Staates.
ein, weil er tot ist. Niedersachsens Innenministerin Behrens teilte dem Innenausschuss des Landtags Anfang September mit, dass die Rekonstruktion des Tatablaufs, die Herkunft und Beschaffung der Waffe, mögliche Tatbeiträge weiterer Beschuldigter und das Tatmotiv untersucht würden.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
Kommentare (0)