Der 63-jährige Karl Moser hat nach eineinhalb Jahren Arbeitslosigkeit eine Pizzeria in einer Garage in der Industrie von Murten eröffnet. Dort backt der frühere IT-Projektleiter Pizza Napoli. Seit fünf Monaten erhält er kein Arbeitslosengeld mehr, wie SRF News Schweiz berichtete.
Moser habe trotz intensiver Suche kaum Rückmeldungen auf seine Bewerbungen in der IT erhalten. Er sei noch zu fit, um untätig zu bleiben, und habe deshalb in die Selbstständigkeit investiert. Vor 30 Jahren hatte er bereits in seiner Bar in Südspanien Pizzen verkauft und damit nach eigenen Angaben gut verdient.
In Murten läuft das Geschäft bisher nicht wie erhofft. Moser bezeichnete die Aufbauphase als schwierig, aufgeben wolle er jedoch nicht. Seit er keinen Lohn mehr erhalte, müsse sich auch seine Familie anpassen. Sie habe sich an den Lebensstandard gewöhnt, den sein früheres Einkommen ermöglicht habe.
Ältere Arbeitslose hätten generell Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg, in der ICT-Branche sei die Lage besonders schwierig, erklärte Caro Gigghi von Syndicom. In der Branche sei hohes Tempo gefragt, während Wissen schneller als in anderen Bereichen veralte. Die Entwicklung habe sich durch künstliche Intelligenz zusätzlich beschleunigt.
Die Arbeitslosenquote in der ICT-Branche liege inzwischen über dem Schweizer Durchschnitt. Gleichzeitig verschwänden ganze Berufsprofile, während neue entstünden. Gigghi fordert deshalb, dass Unternehmen ihre Beschäftigten umschulen und die Kosten dafür übernehmen.
Urs Gurtner vom Branchenverband Swiss-ICT sieht die Verantwortung bei Unternehmen und Mitarbeitenden. Auch Arbeitnehmer müssten ihr Wissen aktuell halten und sich weiterentwickeln. Den Umgang mit künstlicher Intelligenz lerne man vor allem in der täglichen Arbeit und im Austausch mit anderen, dafür brauche es Zeit und nicht in erster Linie Kurse, sagte Gurtner.
Der Wandel in der Branche beschränke sich nicht auf künstliche Intelligenz. Heute werde deutlich häufiger in agilen Teams gearbeitet als noch vor einigen Jahren. Deshalb seien besonders gute Kommunikatorinnen und Kommunikatoren gefragt, während der allein arbeitende Tüftler weniger gefragt sei.
Er sei überzeugt, dass er wegen seines Alters nicht mehr berücksichtigt werde. Eine Personalverantwortliche habe ihm bestätigt, dass Bewerberinnen und Bewerber ab 55 nicht mehr zu Gesprächen eingeladen würden.
Moser bedauert, dass die Erfahrung älterer Beschäftigter aus seiner Sicht nicht ausreichend geschätzt werde. Auch Gurtner erkenne den Wert von Erfahrung und Treue an. In der Branche finde derzeit ein Umdenken statt, sagte er.
Für Moser komme dieses Umdenken wahrscheinlich zu spät. Er habe in seinem Leben bereits viele Krisen bewältigt und wolle auch diese Situation meistern.
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