Philippe Sands hat in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. In seiner Dankesrede kritisierte der 65-jährige britisch-französische Rechtsanwalt und Schriftsteller die Bundesregierung für ihren Umgang mit Israels Vorgehen im Gazastreifen und im Westjordanland, berichtete die Süddeutsche Zeitung.
Sands habe erklärt, Frieden brauche Gerechtigkeit, Gerechtigkeit brauche Regeln und Recht müsse universell statt selektiv gelten. Deutschland kenne sich mit ethnischer Säuberung aus, habe er gesagt, und deshalb müsse das Schweigen überwunden werden.
Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung habe das Publikum Sands’ Ausführungen mit Applaus aufgenommen. Auch der Frankfurter Oberbürgermeister habe geklatscht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die Bundesjustizministerin hätten dagegen nicht applaudiert.
Sands habe in der Rede betont, Schweigen über Verbrechen sei ein Gegenstand, den er anfechte und über den er schreibe. Das Brechen dieses Schweigens müsse auch Verbrechen einschließen, die möglicherweise von einem Staat begangen würden, der gegründet worden sei, um Menschen zu schützen, die im Namen des deutschen Staates Leid erfahren hätten.
Der Preisträger hat an Internationalen Gerichtshöfen serbische Kriegsverbrechen verhandelt.
Sands’ Großvater stamme aus Lemberg, dem heutigen Lwiw in der Ukraine, und habe den Holocaust überlebt. Vor 16 Jahren habe Sands bei einer Einladung zu einem Vortrag in Lwiw entdeckt, dass zwei Männer von dort stammten, die an der Entstehung der Begriffe Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord beteiligt gewesen seien.
Nach der Feier verließ Sands die Paulskirche als Erster. Steinmeier bot ihm seinen Arm an und begleitete ihn unter dem Applaus der 700 Gäste aus dem Saal.
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