Anlass war die Eröffnung eines TV-Studios des als rechtsextrem bezeichneten „Compact“-Magazins in Magdeburg. Anschließend aßen die Politiker zusammen und tranken Wein, wie n-tv berichtete.
An dem Treffen nahmen die gesamte BSW-Landtagsfraktion, darunter Fraktionschef Thomas Schulze und seine Stellvertreterin Claudia Wittig, sowie nach Angaben von „Compact“-Herausgeber und Chefredakteur Jürgen Elsässer ungefähr 20 AfD-Politiker teil. Unter ihnen waren der neu gewählte Landtagspräsident Tobias Rausch, der Fraktionsvorsitzende Oliver Kirchner und Hans-Thomas Tillschneider, der zum Landtagsvizepräsidenten gewählt worden war. Auch André Poggenburg war anwesend. Laut „Zeit“ ist er inzwischen Mitinhaber des „Compact“-Magazins.
BSW-Parteichef Fabio De Masi kritisierte das Treffen öffentlich. Es sei zwar nicht zielführend, der AfD einen Landtagspräsidenten oder Ausschussvorsitze vorzuenthalten. Es dürfe aber nicht der Eindruck einer Kumpanei oder einer privilegierten Partnerschaft entstehen.
Wittig hatte die Kritik zunächst zurückgewiesen. Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten könnten zusammen essen und ein Glas Wein trinken, schrieb sie auf X. Die friedliche Koexistenz verschiedener Meinungen müsse auch im Alltag wieder normaler werden.
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht reagierte in einem Gespräch mit dem „Spiegel“ empört. Gespräche mit allen im Landtag vertretenen Parteien seien richtig, ein gemeinsames Dinner aber völlig daneben. Auch BSW-Mitglied Johannes Varwick verlangte auf X eine Kursdebatte und eine Korrektur durch die Bundespartei.
Inzwischen distanzierte sich Wittig von ihrer Teilnahme am Essen. Sie habe gegenüber dem „Spiegel“ erklärt, es sei unklug gewesen, zum anschließenden Abendessen zu bleiben, und den Fehler bedauert. Der durch die Fotos entstandene Eindruck politischer Nähe sei falsch. Das BSW spreche mit allen im Landtag vertretenen Parteien und werde auch künftig Mehrheiten für aus seiner Sicht vernünftige Positionen suchen und nutzen.
Die Kontakte zwischen BSW, AfD und „Compact“ reichen nach dem Bericht zurück. Varwick bezeichnete das Treffen als beabsichtigten Irrweg und verwies auf einen Beitrag der „Leipziger Zeitung“. Demnach hatte Wittig im Mai zugesagt, am Sommerfest von André Poggenburg Ende August teilzunehmen. Ende Juli sei entschieden worden, dass sie nicht komme. BSW-Pressesprecherin Caroline Heptner begründete dies gegenüber der Zeitung mit negativen Rückmeldungen aus dem Burgenlandkreis und mit dem Motto „Endspurt zur blauen Wende“, das bei Wittigs Zusage noch nicht bekannt gewesen sei.
Bereits vor der Landtagswahl hatten laut „Spiegel“ zwei Bürgerorganisationen für das BSW geworben. „Bürger für den Frieden“ habe auf Flyern für eine AfD-Erststimme und eine BSW-Zweitstimme geworben. Der „Bund strategischer Wähler“ habe im „Compact“-Magazin eine ganzseitige Anzeige mit derselben Empfehlung geschaltet. Das BSW erklärte, davon erst durch die Berichterstattung erfahren zu haben. Mit 5,27 Prozent der Zweitstimmen zog die Partei in den Landtag ein.
Im Parlament wollen AfD und BSW zeitnah einen gemeinsamen Antrag einbringen. Darin soll der Landtag feststellen, dass die gegen Russland gerichtete Sanktionspolitik sowie Waffenlieferungen und finanzielle Hilfen für die Ukraine gescheitert seien. Der Entwurf sieht außerdem eine Sondersitzung in Magdeburg vor und fordert die Landesregierung auf, sich für eine Verhinderung einer weiteren Eskalation, einen sofortigen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen mit Russland einzusetzen.
Wittig verlangte zudem einen Diesel-Deal Deutschlands mit Russland. Die Sanktionspolitik schade vor allem Deutschland und sei auf ganzer Linie gescheitert, erklärte sie. Sie forderte auch die Rückkehr zu russischem Öl und Gas zur Rettung der deutschen Industrie.
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