Volkswagen-Chef Oliver Blume unterstützt die Pläne der EU zur Stärkung der europäischen Industrie. Europäische Autobauer müssten unter vergleichbaren Bedingungen mit chinesischen Herstellern konkurrieren können, sagte Blume in Paris vor der dieswöchigen Automobilmesse, wie der Guardian berichtete.
Die geplanten „Made in Europe“-Regeln sollen dem schnellen Aufstieg preisgünstiger chinesischer Marken in Europa entgegenwirken. Sie sind Teil des sogenannten Industrial Accelerator Act. Vorgesehen ist, Subventionen und öffentliche Aufträge auf Produkte zu begrenzen, deren Materialien und Herstellung zu einem großen Anteil aus der EU stammen.
Die Regeln müssten echte Wertschöpfung in Europa belohnen, sagte Blume. Unternehmen, die in Europa investierten und entwickelten, müssten einen klaren Vorteil erhalten. Anbieter, die ihre Waren hier verkauften, sollten unter vergleichbaren Bedingungen konkurrieren sowie in Europa Arbeitsplätze und Wertschöpfung schaffen.
Volkswagen gehört zu den am stärksten betroffenen europäischen Unternehmen. Der deutsche Autobauer hat einen umfassenden Plan zum Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gestartet. Blume bezeichnete ihn als das größte Veränderungsprogramm in der Geschichte des Konzerns.
Blume sprach sich zugleich für offene Märkte aus. Offenheit bedeute jedoch auch, die eigenen Interessen in Europa zu vertreten. Eine starke industrielle Basis sichere nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch technologische Unabhängigkeit, sagte der Volkswagen-Chef.
Die EU hatte nach Angaben des Guardian außerdem eine Vereinbarung mit China getroffen, um den Absatz von Hybridfahrzeugen im Staatenbund zu halbieren. Hintergrund seien Befürchtungen, steigende Verkäufe könnten Teile der europäischen Autoindustrie verdrängen.
Volkswagen ist erstmals seit 20 Jahren auf der Automobilmesse in Paris vertreten. Blume betonte die engen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland und empfing den französischen Industrieminister Sébastian Martin.
Volkswagens Finanzvorstand Arno Antlitz sagte, der Stellenabbau sei nötig, um die wirtschaftliche Stärke des Unternehmens zu erhöhen. Eine höhere Profitabilität solle Volkswagen ermöglichen, seine Marktposition im Heimatmarkt zu verteidigen.
Der Konzern reduziert die Zahl seiner weltweit angebotenen Modelle von 150 auf 75. Die Kürzungen betreffen unter anderem die Marken Audi und Škoda. Volkswagen erwartet dadurch weniger Komplexität in den Fabriken und bei den Händlern sowie niedrigere Kosten pro produziertem Fahrzeug.
Zudem präsentierte das Unternehmen die Produktionsversion des ID Tiguan, einer Elektroausgabe seines meistverkauften Familien-SUVs.
Kommentare (0)