Die PDS ließ 1990 umfangreiche Kader- und Mitgliederunterlagen der SED vernichten. Betroffen waren unter anderem die Nachweiskarten aller Kandidaten und Mitglieder seit 1951 sowie insgesamt rund 15,9 Millionen Dokumente, wie Recherchen der WELT zeigen.
Lange galt als ausgemacht, dass die zentrale SED-Mitgliederkartei bereits Ende 1989 beseitigt worden sei. Diese Einschätzung vertrat auch das Bundesarchiv. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen zwei Enquetekommissionen des Bundestages in den 1990er-Jahren. Eine schriftliche Vernichtungsanweisung wurde jedoch nie gefunden.
Ein internes Schlüsseldokument trägt das Datum 5. März 1990. Es handelt sich um eine Vorlage für das Präsidium des Parteivorstands der PDS, die nur in 23 Exemplaren verbreitet worden sei. Darin sei vorgesehen gewesen, Kader- und Registraturunterlagen der ehemaligen SED durch eine „kontrollierte Fremdvernichtung“ zu beseitigen.
Die Geräte hätten das Format eines Kleinwagens gehabt und bis zum 6. April geliefert werden sollen. Zusätzlich seien 2000 Plastiksäcke bestellt worden, in denen 160 Tonnen gepresste Akten abtransportiert werden konnten. Das entsprach laut den Unterlagen rund 80.000 gefüllten Ordnern.
Der Kaufpreis betrug 80.340 West-Mark und wurde den Angaben zufolge sofort bar aus einem Koffer bezahlt. Das Geschäft war bereits 1998 bekannt geworden. Der Zusammenhang mit der Entsorgung der SED-Personalunterlagen sei damals jedoch nicht bekannt gewesen.
Die Dokumente lagerten in den Tiefkellern der ehemaligen Reichsbank am Werderschen Markt in Berlin-Mitte. Nach der Friedlichen Revolution waren dort Büros für die demokratisch gewählte Volkskammer eingerichtet worden; das Gebäude trug nun den Namen „Haus der Parlamentarier“. In den unterirdischen Etagen arbeiteten die Aktenvernichter der PDS weiter.
Die Arbeiten kamen nur langsam voran. Daraufhin wandte sich die PDS-Führung an den Übergangs-Chef der Nationalen Volksarmee, Admiral Theodor Hoffmann.
Die PDS erklärte in dem Schreiben, sie könne die Keller trotz Ausschöpfung aller Möglichkeiten nicht kurzfristig selbst räumen. Wegen der bevorstehenden Währungsunion am 1. Juli 1990 würden sichere Lagerplätze für die Bundesbank der BRD und die Staatsbank der DDR benötigt. Die Parteiführung bat Hoffmann deshalb um dringende Unterstützung. Unter der Verantwortung des damaligen alleinigen PDS-Vorsitzenden Gregor Gysi sei die Vernichtung der Unterlagen organisiert worden.
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