Der Euro ist zuletzt wiederholt unter 1,12 Dollar gefallen. Im Januar hatte der Kurs zeitweise über 1,20 Dollar gelegen. Belastet wird die Gemeinschaftswährung durch Sorgen um die Staatsfinanzen, politische Unsicherheiten und das geringe Wachstum in der Eurozone, berichtete tagesschau.
Frankreich weist gemessen am Bruttoinlandsprodukt eine Staatsverschuldung von 119 Prozent auf. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, sagte im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion, Anleger würden wegen der Haushaltsprobleme in Frankreich auch auf Italien, Griechenland und Belgien blicken. Deren Haushaltspositionen seien zwar deutlich besser, an den Finanzmärkten dominiere jedoch die Sorge vor einer neuen Eurokrise.
Der Ausgang sei offen, ebenso die Frage, welche Folgen er für Europa hätte. In Spanien eskalierte nach Angaben des Berichts der Streit über die Wohnungsmarktpolitik. Regierungschef Pedro Sánchez habe daraufhin eine vorgezogene Parlamentswahl im November angekündigt.
Zusätzlichen Druck erzeugen die gestiegenen Preise für Energie, Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Sie belasteten die Mittelschicht und besonders einkommensschwache Haushalte. Die Sorge vor einem Verlust des Lebensstandards schüre Wut auf die Regierungen.
Eckard Schulte von MainSky Asset Management sagte im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion, das grundlegende Problem sei das geringe Wachstum Frankreichs und der Eurozone insgesamt. Das bereite Investoren große Sorgen.
Nach Einschätzung des Devisenstrategen Tommy von Brömsen von Handelsbanken beruht die Entwicklung des Euro-Dollar-Kurses nicht nur auf der Stärke des Dollars, sondern auch auf der Schwäche des Euro wegen der politischen Lage in Frankreich. Schulte verwies zudem auf strukturelle Probleme der Eurozone. Sie sei weiterhin fragmentiert und durch die nationalen Finanzmärkte angreifbar. Eine schnelle und deutliche Aufwertung des Euro erwartet er in diesem Umfeld nicht.
Viele Ökonomen sprechen trotz der Turbulenzen nicht von einer bevorstehenden europäischen Schuldenkrise. Brzeski geht davon aus, Frankreich werde nicht bankrottgehen und die Europäische Zentralbank werde wahrscheinlich unterstützend eingreifen.
An der Dominanz des Dollars und der wirtschaftlichen Bedeutung der USA werde sich laut Brzeski jedoch zunächst nichts ändern. Er verwies auf den großen US-Kapitalmarkt und das stärkere Wachstum der US-Wirtschaft. Zudem gebe es nur wenige echte Alternativen.
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