Ägyptische Journalisten wollen an diesem Wochenende in Kairo gegen die Festnahme von sechs Kollegen protestieren. Die Mitarbeiter der unabhängigen Faktencheck- und Rechercheplattform Matsadaash sind wegen terroristischer Straftaten angeklagt worden. Sie hätten in Polizeigewahrsam Folter und erzwungene Geständnisse erlebt, berichtete The Guardian Africa.
Ägyptische Behörden hatten die Journalisten in der vergangenen Woche festgenommen. Sie hätten ihnen vorgeworfen, nicht lizenziert zu sein und im Auftrag der verbotenen Muslimbruderschaft falsche Nachrichten zu verbreiten.
Einer der Männer sei am Sonntag angeklagt worden, die fünf anderen am späten Mittwoch.
Alle sechs hätten ihren Anwälten gesagt, sie seien gefoltert und gezwungen worden, falsche Geständnisse zu filmen. Die Polizei bestreite diese Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft teilte am Mittwochabend mit, drei Journalisten, die über Misshandlungen berichtet hätten, seien rechtsmedizinisch untersucht worden. Dabei seien keine Verletzungen oder Anzeichen von Gewalt festgestellt worden.
Lobna Darwish von der ägyptischen Journalistenvereinigung, deren Anwälte die sechs Matsadaash-Mitarbeiter vertreten, sagte, die Journalisten hätten der Staatsanwaltschaft von tagelanger Verdeckung der Augen und Fesselung der Hände berichtet. Sie seien geschlagen und gewaltsam entkleidet worden. Einige hätten Elektroschocks erhalten; außerdem hätten die Journalisten von Drohungen gegen ihre Familien gesprochen.
Die Aufnahmen seien vor professionellen Filmteams und in wiederholten Durchgängen entstanden.
Das Innenministerium wies die Vorwürfe der Folter und Misshandlung zurück. Sie seien unbegründet und ein Versuch der Festgenommenen, den gegen sie erhobenen Vorwürfen zu entgehen. Das Ministerium bezeichnete die sechs als Mitglieder der Muslimbruderschaft, die für die Gruppe arbeiteten.
Die Journalistin Rasha Azab wurde unterdessen von der Obersten Staatsanwaltschaft für Staatssicherheit zu einem Beitrag in sozialen Medien befragt. Darin hatte sie das Innenministerium wegen der Festnahmen kritisiert. Azab kam gegen Kaution frei und muss sich wegen der Nutzung einer Website zur Verbreitung von Ideen verantworten, die terroristische Straftaten befürworteten. Ihre Anwältin Mahienour El-Masry sagte, die Staatsanwälte hätten Azab mit elf in verschiedenen Gouvernements eingereichten, wortgleichen Beschwerden zu dem Beitrag konfrontiert.
Hadeer El-Mahdawy vom Organisationskomitee des geplanten Protests sagte, die Journalisten seien über die Nachrichten zur Folter ihrer Kollegen entsetzt. Zugleich seien niedrige Bezahlung und unsichere Beschäftigungsverhältnisse in der Branche verbreitet.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
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