Die südafrikanische Richterin Navanethem „Navi“ Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026. Das gab das norwegische Nobelkomitee am Freitag bekannt. Es würdigte ihren jahrzehntelangen Einsatz für die Verfolgung von Völkermord und Kriegsverbrechen, der von juristischer Strenge, persönlicher Integrität und großem Mut geprägt gewesen sei, berichtete Al Jazeera.
Pillay wurde 1940 in Durban in der damaligen Provinz Natal geboren. Ihre Eltern stammten von Tamilen ab. Nach einem Jurastudium an der University of Natal eröffnete sie als erste Frau in der Provinz eine eigene Kanzlei und verteidigte früh zahlreiche Aktivisten gegen die Apartheid.
Später wurde sie die erste nichtweiße Frau am Obersten Gericht Südafrikas. 1973 übernahm sie ein Verfahren, das politischen Gefangenen auf Robben Island grundlegende Rechte einschließlich des Zugangs zu Rechtsbeistand verschaffte. Auf der Gefängnisinsel war auch Nelson Mandela inhaftiert.
Pillay beteiligte sich während ihres Studiums an Boykotten und Protestmärschen gegen die Apartheid. Später wirkte sie an der Verteidigung prominenter Gegner des Systems wie Phyllis Naidoo und Strini Moodley mit. Ihre frühe Menschenrechtsarbeit sei durch ihre Erfahrungen unter der Apartheid geprägt worden, sagte Pillay 2016 dem Diplomatic Courier.
Nach Angaben des Nobelkomitees trug Pillay dazu bei, dass Vergewaltigung und sexuelle Gewalt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und als Völkermord eingestuft werden konnten.
Von 2008 bis 2014 war Pillay Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Zuletzt leitete sie eine unabhängige UN-Untersuchungskommission zum besetzten palästinensischen Gebiet. Die Kommission kam 2025 zu dem Schluss, Israel habe in Gaza einen Völkermord begangen. Pillay forderte die UN-Mitgliedstaaten auf, sich für eine Waffenruhe sowie für Gerechtigkeit und Rechenschaft gegenüber allen Opfern einzusetzen.
Derzeit ist Pillay Richterin am Internationalen Gerichtshof. Dort wirkt sie an einem Verfahren mit, in dem Myanmar beschuldigt wird, an seiner überwiegend muslimischen Rohingya-Minderheit einen Völkermord begangen zu haben.
Das Nobelkomitee erklärte, Pillay werde für ihren Einsatz für Frieden und internationales Recht geehrt. Sie habe dazu beigetragen, Staaten und führende Politiker zur Verantwortung zu ziehen und Opfern von Gewalt und Konflikten Hoffnung zu geben. Die Auszeichnung sei besonders bedeutsam, weil das internationale Recht und seine Institutionen stark unter Druck stünden.
UN-Menschenrechtschef Volker Türk sagte, die Ehrung bestätige die grundlegende Bedeutung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gerechtigkeit und Rechenschaft für Frieden, Sicherheit und Wohlstand. Die Präsidentin des Internationalen Strafgerichtshofs, Tomoko Akane, sprach von einer besonderen Bedeutung angesichts der Herausforderungen für die internationale Rechtsordnung. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa würdigte Pillays Mut, Integrität und lebenslangen Einsatz für Gerechtigkeit.
Pillay erfuhr nach eigenen Angaben durch Medienberichte von der Entscheidung. Sie widmete die Auszeichnung allen Überlebenden internationaler Verbrechen und erklärte, der Preis stärke ihre Überzeugung, dass die Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit, unabhängiger Gerichte und einer prinzipienbasierten internationalen Rechtsordnung gemeinsames Handeln erfordere.
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