Die Niederlande werden im kommenden Jahr nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen. Wie die BBC berichtete, zieht der öffentlich-rechtliche Sender NPO seine frühere Entscheidung zurück, wieder anzutreten. Als Grund nennt der Sender "Sensibilitäten" im Zusammenhang mit der Teilnahme Israels.
NPO-Medienchef Jurre Bosman erklärte am Dienstag, die Teilnahme Israels löse in der Gesellschaft unterschiedliche Reaktionen aus und führe zu Diskussionen und Spaltung. Deshalb habe der Sender entschieden, auf eine Teilnahme im Jahr 2027 zu verzichten.
Die Niederlande und vier weitere Länder hatten sich bereits am diesjährigen Wettbewerb nicht beteiligt, nachdem der niederländische Sender Avrotros sich zurückgezogen hatte. Avrotros hatte erklärt, auch im kommenden Jahr nicht anzutreten. Die NPO, die den öffentlichen Rundfunk im Land beaufsichtigt, war eingesprungen und hatte im vergangenen Monat zugesagt, dass die Niederlande 2027 zurückkehren würden.
NPO-Vorsitzende Jet de Ranitz sagte, die Organisation habe mit Sendern über eine Teilnahme im kommenden Jahr gesprochen. Bei diesen Gesprächen habe man zunächst genug Unterstützung für eine Rückkehr gesehen. Man habe jedoch leider kein geeignetes Format finden können. Deshalb müsse man zu dem Schluss kommen, dass eine Teilnahme am Eurovision Song Contest 2027 derzeit zu früh sei. Wegen der Sensibilitäten rund um die aktuellen Themen wolle man sich vorerst zurückziehen.
Die NPO räumte ein, dass einige niederländische Fans enttäuscht sein könnten. Der Wettbewerb werde in den Niederlanden dennoch ausgestrahlt.
Eurovision-Song-Contest-Direktor Martin Green sagte, es tue ihm "zutiefst leid", dass die Niederlande nicht teilnehmen werden. Man verstehe die Entscheidung und respektiere die starke Stimmung, die dahinterstehe. Die Veranstalter erkennen nach Greens Worten an, dass die Meinungen über den Wettbewerb sowohl innerhalb der Länder als auch zwischen ihnen stark auseinandergehen. Keine dieser Ansichten werde man abtun. Der Wettbewerb sei gerade in einer gespaltenen Welt wichtig, da er einer der wenigen Momente im Jahr sei, in denen Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus zusammenkämen. Green erklärte, man sei entschlossen, diesen Geist der Einheit zu schützen. Man freue sich darauf, einen niederländischen Beitrag wieder willkommen zu heißen, sobald man den Zeitpunkt für richtig halte.
Die Niederlande, Island, Spanien, Irland und Slowenien hatten den Wettbewerb 2026 wegen der Teilnahme Israels boykottiert, inmitten von Kritik an dessen Militäraktionen im Gazastreifen und im Nahen Osten. Die Veranstalter haben nach Angaben der BBC mehrere Änderungen angekündigt, um die Spaltung zu überwinden. Dazu gehört, dass Länder, die in einen bewaffneten Konflikt verwickelt sind, vom Ausrichten des Wettbewerbs ausgeschlossen werden. Auch das Abstimmungsverfahren soll verändert werden.
Auch Irland wird 2027 nicht teilnehmen. Der Leiter des spanischen öffentlich-rechtlichen Senders hat sich für einen Boykott ausgesprochen. Der tschechische öffentlich-rechtliche Sender hat sich ebenfalls zurückgezogen, nennt dafür aber Sparmaßnahmen als Grund.
Der Eurovision Song Contest 2027 findet laut Meldung am 15. Mai in Burgas in Bulgarien statt. Der diesjährige Wettbewerb in Wien hatte Dara mit dem Tanztrack "Bangaranga" gewonnen.
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