Die Zukunft des letzten Penicillin-Werks Europas ist ungewiss.
Damit rückt Kundl zunehmend ins Zentrum der Debatte über Europas Versorgungssicherheit. China dominiert inzwischen die Herstellung der Wirkstoffe, die für rund 1,5 Milliarden Tagesdosen benötigt werden, welche jährlich in Europa verabreicht werden.
Pekings Kontrolle über die Lieferkette stelle ein inhärentes strategisches Risiko dar, vergleichbar mit kritischen Mineralien. Die Versorgung mit Antibiotika könne sich zu einem Mittel wirtschaftlichen Zwangs oder hybrider Kriegsführung entwickeln, insbesondere in Zeiten diplomatischer Spannungen, heißt es darin.
In Indien kämen dabei auch chinesische Chemikalien zum Einsatz.
Chinesische Regierungsvertreter haben laut einem US-Insider in Gesprächen bereits angedeutet, dass Peking seine Marktmacht in einem Handelskonflikt als Waffe nutzen könnte. Das US-Außenministerium war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Wie verwundbar Europas Versorgung ist, zeigte sich 2022. Während einer Welle von Atemwegsinfektionen wurden die Vorräte an Amoxicillin knapp, der in Kundl hergestellten Penicillin-Variante. Massive Industrieinvestitionen Pekings hätten die Rollen inzwischen vertauscht, erklärte der China-Analyst Tim Rühlig.
Hinzu kommen hohe Energiekosten.
Im März reichte das Unternehmen deshalb in Brüssel eine Beschwerde ein.
Zölle gelten angesichts des generell härteren Kurses Europas gegenüber China als wahrscheinlich.
Sandoz-Chef Richard Saynor fordert ein grundlegendes Umdenken. Besorgniserregend sei, dass ein Antibiotikum-Päckchen weniger koste als ein Ricola-Produkt in der Schweiz oder ein Mars-Riegel in Großbritannien, sagte er. Viele dieser Dinge halte man für selbstverständlich, bis sie nicht mehr da seien.
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