Die ägyptische Journalistin Lina Attalah ist am Dienstag nach einem kurzen Gerichtsverfahren von Sicherheitskräften festgenommen worden. Das berichtete Africanews unter Berufung auf Mada Masr, eines der führenden unabhängigen Nachrichtenportale des Landes, dessen Chefredakteurin Attalah ist. Laut Mada Masr verhängte ein Gericht für Vergehen nach nur einer Anhörung die Schließung der Webseite und eine Geldstrafe von rund 850 Euro gegen Attalah. Sie habe die Seite ohne Lizenz betrieben.
Nach Angaben des Mediums umringten Sicherheitskräfte Attalah, hoben sie vom Boden hoch und trugen sie aus dem Gerichtssaal. Danach sei sie weiterhin im Gerichtsgebäude in Haft geblieben.
Hossam Bahgat, Direktor der Egyptian Initiative for Personal Rights (EIPR), war bei der Anhörung anwesend. Er sagte, der Richter habe sein Urteil inmitten von Rufen und Protesten der Verteidigungsanwälte verkündet, kurz bevor Attalah festgenommen wurde.
Menschenrechtsorganisationen bezeichneten das Verfahren als gefährliche Eskalation im Vorgehen Ägyptens gegen die Pressefreiheit. Der Fall folgt auf einen Vorgang von wenigen Wochen zuvor: Journalisten der Online-Plattform Matsadaash, die sich auf Faktenchecks spezialisiert hat, waren festgenommen worden. Ihnen wurde vorgeworfen, falsche Informationen verbreitet zu haben und Verbindungen zur Muslimbruderschaft zu unterhalten.
Solche Vorwürfe würden häufig gegen Medien erhoben, die als regierungskritisch wahrgenommen würden. Für Attalah und Mada Masr ist es der sechste Rechtsfall in sechs Jahren. Keiner der früheren Fälle sei jedoch bis zu einem Prozess gelangt.
Ägypten, das wiederholt für seine Einschränkungen der Pressefreiheit kritisiert wird, hält nach Angaben der EIPR derzeit 26 Journalisten wegen ihrer Arbeit in Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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